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Vom Leben der Wurzelkinder im Uffinger Waldkindergarten

Vom Leben der Wurzelkinder im Uffinger Waldkindergarten

Vom Leben der Wurzelkinder im Uffinger Waldkindergarten

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Bürger | veröffentlicht am: 25 März 2022 | bearbeitet am: 26 Juni 2022

Heute schneit es, morgen stürmt es, übermorgen scheint die Sonne so warm, dass nur noch an den Frühling gedacht wird, dann kommt der Schnee zurück, geht über in Regen und weicht wenig später schon wieder den Sonnenstrahlen.

Die Launen des Wetters sind vielseitig in den ersten Monaten im neuen Jahr, an manchen Tagen könnte man sogar fast von Stimmungsschwankungen sprechen.

Die verschiedenen Witterungsverhältnisse sind für die Wurzelkinder des Waldkindergartens Uffing jedoch eher eine Art Leitfaden für ihre Garderobe, nicht für ihre Lust am Spielen und Entdecken. Das knisternde Feuer in der Mitte des Morgenkreises spendet Wärme und vereint in dieser kalt-nassen Jahreszeit unsere vier Elemente. Die Kinder singen dem Feuer und sich selbst ein Begrüßungslied, kommen im Wald an und zählen in der Runde, ob alle da sind. Gezählt wird deutsch, boarisch, englisch, spanisch, gemüsisch oder knödelisch - vergessen wird jedenfalls niemand. Zarte Reime werden mit Unterstützung von Fingerspielen aufgesagt und verbreiten die poetische Stimmung von Frau Holle, wilden Bärenjägern und frechen Spatzen auf der Waldlichtung.

Dann darf es losgehen:
Die Hacken und die Spitzen,
die wollen nicht mehr sitzen,
die Fersen und die Zehn,
die wollen Spielen gehn!

Die Wurzelkinder toben los. Liegt Schnee, wird Bob gefahren. Regnet es, wird Lehmrutsche gerutscht. Sie spielen Fangen und springen geschickt über die Wurzeln der Bäume und Sträucher, sie verstecken sich hinter ihren dicken Stämmen und tarnen sich in Erdlöchern. Als Räuber auf Schatzsuche, als Chefköche in der Matschküche, als Indianer am Spurenlesen – der Wald bietet ein nahezu unerschöpfliches Sammelsurium an Spielideen. Die Kinder sind im freien Spiel und entdecken sich und ihre Waldfreunde jeden Tag neu.

Auch für Tage, an denen eher Ruhe gebraucht wird, bietet der Wald den Kindern viele Möglichkeiten. In der kleinen Jurte wird gemalt, gebastelt, gewebt und im Bücherregal gestöbert. Draußen an der Feuerstelle wird geschnitzt und geratscht, oder eben einfach dagesessen und beobachtet. Denn wie schön kann es sein, auch mal still zu sein? Und wie still ist Stille eigentlich? Als den Kindern davon erzählt wird, dass sich nun die kleinen Schneeglöckchen unter der Erde auf den Weg nach oben ans Licht machen, legen sie ihre Ohren auf die Erde und hören ganz genau hin, ob sie nicht das ein oder andere Blümchen wachsen hören.

Ein junger Wald braucht Schutz, bis er sich fest genug verwurzelt hat. Bis er stark genug ist, dem Sturm standzuhalten. Junge Bäume konkurrieren um Sonnenplätze, denn manche Bäume benötigen mehr Licht als andere, um heranzuwachsen. Sie brauchen Nährstoffe, Wasser und Wärme, um zu den stabilen, beeindruckenden Riesen zu werden, die in einer Gemeinschaft zueinander leben, wie sie harmonischer kaum sein kann. Haben Bäume eine gewisse Größe und Stärke erreicht und bekommen von den Vernetzungen des Waldbodens die Information, dass ein Baum zu wenig Nährstoffe abbekommt, um sich weiterzuentwickeln, geben sie Nährstoffe an den Boden ab, um sie dem schwächeren Baum zukommen zu lassen. Der Wald lässt entstehen, ohne zu bewerten. Er strotzt vor Energie, reinigt die Luft und speichert wertvolles Wasser.

Diese Entwicklung, dieses Zusammenspiel der Natur als Vorbild, schafft einen vertrauensvollen Rahmen für kreatives Ausprobieren, Scheitern, Aufstehen, einander Helfen und das Mitteilen von Bedürfnissen.

Der Waldkindergarten Uffing bedankt sich von Herzen für den Wald und bei dem Wald.

Für die Flexibilität der Wurzeleltern wegen der starken Stürme, die so manchen Tag durchgewirbelt haben und für die stets wachsamen, liebevollen Augen unserer Erzieher und Betreuer.

Wir freuen uns auf den Frühling!

Kontakt und Info auf www.wurzelkinder-uffing.de

Christina Taffertshofer

Foto © Johann Dürr

(veröffentlicht in Hoagart 03 | April 2022, siehe unten, Seite 20 und 21)

 

April 2022

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