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Blühstreifen an allen Wegen und Zäunen

Blühstreifen an allen Wegen und Zäunen

Blühstreifen an allen Wegen und Zäunen

Information
Bürger | veröffentlicht am: 01 Oktober 2021 | aktualisiert am: 07 Oktober 2021

Im August 2021 sitzt Georg Kronbichler neben mir auf einer Bank in seiner Wiese und seine Augen leuchten: „Ist das nicht wunderschön, wie prächtig es blüht und wie fleißig die Bienen den Nektar und Pollen sammeln?“. Aus der noch im letzten Jahr als Kälberweide genutzten Wiese, auf der nur im Frühjahr der Löwenzahn zahlreich blühte, ist in diesem Jahr eine vielfältige Bienenweide geworden. Auf der Wiese wachsen neben Kulturarten wie Borretsch, Buchweizen, Rot-Klee und Sonnenblume jetzt auch Wildkräuter wie Cosmea, Klatschmohn, Kornblume, Margerite, Mariendistel, Ringelblume, Wilde Malve, wilde Möhre und Zottige Wicke. Trotz Hagel und Starkregenereignis haben sich die Pflanzen erholt und blühen ein zweites Mal in diesem Sommer. Entscheidend für die Umsetzung des Projekts und somit auch für den Erfolg ist die Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Blühpaten und Kümmerern.

Landwirte

Die Landwirte oder Eigentümer stellen eine Wiese oder Ackerfläche zur Verfügung und erklären sich bereit, dort eine Blühfläche für die Blühkooperation anzulegen. Die landwirtschaftlichen Flächen sind jedoch gleichzeitig eine wichtige Erwerbsgrundlage für Landwirte, unverzichtbar, um Lebensmittel zu produzieren und das eigene Familieneinkommen zu sichern. Die Anlage von Blühwiesen bedeutet für Landwirte zwar einen Verlust der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die Bewirtschaftung entlang von Zäunen, Gräben oder auf ungünstig geschnittenen Flächen ist aber schwierig und aufwändig. Diese Flächen bzw. Streifen entlang der Zäune und Wege bieten sich aus meiner Sicht daher als Blühflächen an.

Blühpaten

Die Blühpaten beteiligen sich mit einer Spende an der Blühkooperation und unterstützen die Landwirte vor Ort bei der Umsetzung der Blühmaßnahmen. Mit einem Beitrag von 50 Cent pro Quadratmeter im Jahr ermöglichen engagierte Bürgerinnen und Bürger oder Firmen, dass Bienen, Hummeln und Co. einen Lebensraum finden. Mit der Spende werden die Beratung der Landwirte, das spezielle Saatgut, ein Beitrag zu den Maschinenkosten, die Beschilderung der Blühflächen sowie eventuell erforderliche Entschädigungszahlungen für den Ertragsausfall des Landwirts finanziert. Alle Blühflächen sind frei zugänglich und die Blühpaten können sie jederzeit besuchen.

Kümmerer

Die Kümmerer bringen Landwirt und Blühpaten in der Blühkooperation Uffing zusammen. Sie stellen sicher, dass die Spenden der Blühpaten die geplante Blühfläche auch langfristig finanzieren können. Die einzelnen Flächen sollen mindestens drei Jahre – besser dauerhaft – als Blühfläche zur Verfügung stehen. Daher ist ein langfristiges Engagement von allen Beteiligten gewünscht. Die Spenden der Blühpaten unterstützen die Kümmerer auch bei der Öffentlichkeitsarbeit, um weitere Landwirte und Blühpaten zu gewinnen. 

Die Landwirte legen die Flächen an und erledigen die landwirtschaftlichen Arbeiten, wenn gewünscht mit Unterstützung der Blühpaten. Für jede Fläche wird individuell abgesprochen, ob diese einmal oder zweimal im Jahr gemäht werden soll. Die Anzahl der Schnitte ist abhängig von der Lage der Fläche, der vorherigen Nutzungsintensität und der Witterung. Die Blühpaten finanzieren mit ihren Spenden das Saatgut und einen Anteil der weiteren Kosten. Die Kümmerer unterstützen die Landwirte und Blühpaten und organisieren gemeinsame Veranstaltungen.

Bei der gemeinsamen Aussaat, bei Kräuterführungen oder bei der Heuernte können alle beteiligten zusammenkommen. Es ist wichtig zu betonen, dass es sich hierbei um eine freiwillige Kooperation handelt und alle Beteiligten jederzeit ihr Engagement aufkündigen können. Auch gibt es keine Flächenmindestgröße oder andere Auflagen, die z. B. bei der Förderung von Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen von den Landwirten einzuhalten sind. Die Grundlagen der Kooperation sind freiwilliges Engagement, gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung der jeweiligen Leistungen.

Meine Bilanz nach einem Jahr ist sehr positiv und mein ganz besonderer Dank geht an die Landwirte Florian Kraus und Georg Kronbichler, die mich von Anfang an tatkräftig unterstützt und die ersten Flächen mit angelegt haben. Aber auch einen herzlichen Dank an die Paten, die mit ihren Spenden die Umsetzung ermöglichen sowie an Bürgermeister Andreas Weiß und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde, die sehr bei der Umsetzung helfen. Wir konnten bereits sieben Flächen als Blühwiese in Uffing anlegen! Die Flächen neben dem EDEKA an der Bahnhofstrasse und die Wiese in der Rußbichlstraße haben sich vom artenarmen Grünland in artenreiche Blühwiesen verwandelt. Auch in unserem Garten haben den ganzen Sommer die Wildblumen geblüht und zahlreiche Bienen sowie Insekten angezogen. Auf den anderen Flächen haben wir zum Teil noch mit Startschwierigkeiten zu kämpfen. Erst war es zu kühl, dann zu trocken und bei den heftigen Starkregen haben die Flächen ebenfalls gelitten. Daher ist es besonders wichtig, einen langen Atem zu haben und den Wandel der Flächen über die Zeit zu betrachten.

Ich möchte alle Uffinger und Schöffauer Landwirte und Bürger zum Mitmachen einladen, denn jede zusätzliche (auch kleine) Blühfläche bietet Insekten Lebensraum und Nahrung! Gemeinsam betreiben wir so aktiven Naturschutz und unterstützen uns gegenseitig. Mir ist es ein Anliegen, dass wir als Verbraucher und mit den Lebensmittelproduzenten dabei wieder vermehrt ins Gespräch kommen. Auch wenn der Sommer schon fast vorbei ist, laden wir ein, unsere Blühwiesen zu besuchen und auch auf der Blühwiesenbank in der Rußbichlstraße 9 Platz zu nehmen und den Blumen beim Wachsen zuzuschauen.

Positive Veränderungen in der Landwirtschaft werden leider häufig nicht wahrgenommen. Persönlich wünsche ich mir, dass die Arbeit und das Engagement der Landwirte von Dorfbewohnern und Erholungssuchenden entsprechend wertgeschätzt werden. Dies ist auch das Anliegen der Arbeitsgemeinschaft Dialog Landwirtschaft, in der ich aktiv mitarbeite.

Wir, die Mitglieder der Blühkooperation Uffing, freuen uns über weitere unterstützende Paten und Landwirte, die Mitglied in der Blühkooperation werden wollen. Gemeinsam möchten wir auch im nächsten Jahr weitere Samen aussäen, damit in Zukunft vielleicht an allen Zäunen und Wegen blühende Bienenweiden wachsen.

Kontakt:
Blühkooperation Uffing
Monika von Haaren
Hechenrainer Str. 20
82449 Uffing am Staffelsee
Telefon 08846-921 5652
E-Mail

Spendenkonto:
Konto der Gemeinde Uffing a. Staffelsee
IBAN: DE84 7039 0000 0003 2105 10
Zweck: Blühkooperation

Fotos © Monika von Haaren

(veröffentlicht in Hoagart 01 | Oktober 2021, siehe unten, Seite 16 bis 19)

 

 

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