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Bäume - Helfer im Klimawandel

Bäume - Helfer im Klimawandel

Bäume - Helfer im Klimawandel

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Bürger | veröffentlicht am: 29 Dezember 2021 | aktualisiert am: 30 Dezember 2021

Können Sie sich, liebe Leserinnen und Leser noch an den 25. Juli 2021 erinnern?

An diesem Tag, es war ein Sonntag, der sehr schön sonnig und warm begann, tobten abends gegen 18 Uhr Hagel und Sturm über das Oberland und richteten verheerende Verwüstungen an. Uffing streifte er nur, man kann sagen, am Rande, doch trotzdem fällte er die mächtige Linde vor der Kirche St. Agatha. In der Bahnhofstraße und in den angrenzenden Gebieten entwurzelte der Sturm alte, prächtige Bäume, riss Äste und Zweige ab und hinterließ verwüstete Gärten.

Das ganze Ausmaß der Schäden entdeckte ich allerdings erst am nächsten Tag, als ich morgens Richtung Huglfing fuhr. Schon auf der Straße kurz nach dem Ortsschild Uffing, stand kein Baum mehr, bergab kurz vor Eglfing stand die kleine Kapelle am Willing in abgebrochenen und entwurzelten Baumruinen. Völlig kahl und fremdartig lagen plötzlich Unter- und Obereglfing vor einem. Hier hatte nicht nur der Orkan gewütet, sondern auch starker Hagel. Bäume, die nicht schon entwurzelt oder gesplittert oder aus der Erde gerissen waren, waren durch den Hagel völlig entlaubt.

Ein trauriger Anblick waren die Hagelschäden an Häusern und Dächern. Selbst der uralte, mächtige Walnussbaum vor dem ersten Haus von Untereglfing hatte den Sturm nicht überlebt.

Das Unwetter war weitergezogen in einer Schneise über Obersöchering, Spatzenhausen und Habach und verwüstete dort ganze Waldstücke und viele schöne, alte Eichen links und rechts der Bundesstraße.

Dies war das zweite schwere Unwetter innerhalb von einigen Tagen, laut Zeitungsbericht im Murnauer Tagblatt, “hervorgerufen durch die Klimaerwärmung“.

Nun wird uns vor Augen geführt, wie Bäume eigentlich das Orts- und Landschaftsbild prägen und wie fremd und traurig durch die Verwüstungen solcher Unwetter unsere Dörfer und deren Umgebung plötzlich wirken und welch großer Verlust uns getroffen hat.

Deshalb war ich doch erstaunt zu bemerken, dass keine Neupflanzungen erfolgen. Der Herbst wäre doch die beste Zeit gewesen für Pflanzung und Aufforstung.

Doch weder entlang der B2 noch an der B472, wo durch die Unwetter an die 100 Bäume entwurzelt wurden, noch in den Wäldern und Dörfern findet man Neuanpflanzungen. Es entsteht der Eindruck, dass manch einer ganz froh ist den „gefährlichen“ Baum vor der Haustür los zu sein. Auch das Straßenbauamt Weilheim scheint wohl nicht vor zu haben, die Bäume an den Staatsstraßen zu ersetzen. Gerade das Straßenbauamt Weilheim ist für seine rigide Fällungen an der B2 bekannt, hat es doch vor Jahren über 30 Bäume an der B2 fällen lassen, weil sie den Verkehr behinderten.

Aber auch in den Dörfern im Oberland verschwinden immer mehr Bäume. Bei meiner Recherche vor ein paar Jahren zu dem Artikel im Bürgerblatt zur „Entstehung der Kirchbergstraße“ habe ich erfahren, dass in den letzten 30 Jahren 40 Bäume in unserer Straße gefällt wurden.

Plädoyer für den Baum.

Vielleicht ist es an der Zeit, ein Plädoyer für den Baum zu halten und nochmals darauf hinzuweisen, wie wichtig er für den Klimaschutz ist.
Bäume setzen Sauerstoff frei, befeuchten die Luft und sorgen mit ihrem Schatten dafür, dass sich die Umgebung im Sommer nicht so aufheizt. Ferner haben Bäume als Lebensraum eine Bedeutung, die man gar nicht überschätzen kann. Ja, und Bäume machen „Dreck“, doch das Laub, das sie im Herbst abwerfen, ist nicht nur ein weiterer Lebensraum, sondern auch die Grundlage vielen Lebens. Bäume binden CO2. Eine Buche zum Beispiel nimmt im Laufe von 80 Jahren Wachstum rund eine Tonne CO2 aus der Atmosphäre auf. Im Schnitt sind das pro Jahr 12,5 kg. Wenn nun jeder Eigenheimbesitzer mit Garten einen Hausbaum hätte, wenn jeder abgestorbene Baum durch eine Neuanpflanzung ersetzt würde, wenn Bäume mehr gepflegt würden, statt sie kurzerhand zu fällen, könnten wir eine große Menge CO2 einsparen.

Der Hausbaum, ein echter Freund gegen den Klimawandel.

Man muss Traditionen nicht lieben und sicher gibt es Traditionen, die man nicht pflegen möchte. Aber für einen Hausbaum sollte das nicht gelten, das ist ein Brauch, den wir wiederbeleben sollten. Gerade in Zeiten der Klimaerwärmung.

„Das Prinzip Hausbaum ist historisch“, sagt Pia Krause, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Akustik und Bauphysik der Universität Stuttgart. Sie erforscht die Auswirkungen von Hausbäumen auf das Innenraumklima von Gebäuden und auf das Mikroklima im Garten. Es lässt sich zum Beispiel nachweisen, dass die Häuser früher immer in bestimmter Weise von Bäumen umpflanzt worden sind, um klimatische Vorteile zu erreichen und zu nutzen. Die Bäume wurden immer auf der dem Wetter zugewandten Seite gepflanzt, um das Haus zu schützen.

Auf historischen Fotos und Gemälden bilden Gebäude und Hausbaum oft eine untrennbare Einheit. Ein Hausbaum gilt als Symbol der Urkraft des Lebens, gibt Schutz und Geborgenheit und prägt durch seinen Wuchs das Grundstück. Hausbäume wurden traditionell zu bestimmten Anlässen gepflanzt. Zum Beispiel zu Hochzeiten, zu Geburten oder beim Neubau eines Hauses. Die beliebtesten Bäume waren Linden und Eichen.

Heute jedoch sind die Grundstücke kleiner geworden. Ein klassischer Hausbaum würde ein Grundstück mit einer Fläche von 300 bis 500 qm sprengen. Deshalb haben sich viele Baumschulen auf klein- oder langsamwüchsige Hausbäume spezialisiert. Auch schmalkronige Bäume sind für kleine Gärten geeignet. Sie bilden das Gerüst, um das herum sich der Garten entwickelt.

Dorfbegrünung

Was für Gärten im Kleinen gilt, lässt sich auch für jeden Ort im Großen verwirklichen.

Denn jede Siedlung, die harmonisch in die Landschaft eingebunden ist, sollte durch Bäume und Sträucher gekennzeichnet sein. Insbesondere alte Bäume markieren weit sichtbar Häuser, Straßen, Wege und Plätze in Dörfern und schaffen Orientierung in der Landschaft.

Erst durch Bäume wird aus einer Aneinanderreihung von Gebäuden eine lebendige und schöne Siedlung, wie wir jetzt an dem traurigen Anblick von Unter- und Obereglfing oder an unserer Dorfmitte erkennen können.

Liebe Leserinnen und Leser, es würde mich freuen wenn durch den Text manch ein Garten- und Hausbesitzer Anregung gefunden hätte, eine alte Tradition wieder aufleben zu lassen.
Oder/und wenn wir als Bürger Einfluss auf die Grüngestaltung unseres Dorfes nehmen würden.
Oder/und ein Umdenken erfolgen würde, so dass wir Bäume als Helfer im Klimaschutz sehen und nicht als Bedrohung.

Denn es geht nicht nur um die Pflege und Gestaltung unseres Lebensraums sondern auch um den hohen ökologischen und klimafreundlichen Aspekt der Bäume.

Nehmen wir Einfluss auf unsere Zukunft und unseren direkten Lebensraum und verabschieden wir uns von dem überholten Bild des Baums als lästiges Gehölz das viel Dreck und Arbeit macht.

Uffing ist der Ort mit dem höchsten Wahlergebnis im Landkreis für die Grünen (17,3 %) bei der Bundestagswahl 21, darum habe ich die Hoffnung, mit meinem Appell nicht nur auf taube Ohren zu stoßen.

In diesem Sinne ein Wort des russischen Staatsmanns Alexei Andrejewitsch Araktschejew aus dem 19. Jahrhundert:

„Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen war vor 20 Jahren. Die nächstbeste Zeit ist jetzt.“

Carola Rosenberger

(veröffentlicht in Hoagart 02 | Januar 2022, siehe unten, Seite 57 bis 59)

 

Januar 2022

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