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Tourismus in Uffing a. Staffelsee

Tourismus in Uffing a. Staffelsee

Tourismus in Uffing a. Staffelsee

Information
Bürger | veröffentlicht am: 01 Oktober 2022 | bearbeitet am: 01 Oktober 2022

Schon Mitte des 19. Jahrhunderts kamen Gäste, hauptsächlich Künstler in den Staffelseeraum - wegen der schönen Landschaft, dem malerisch gelegenen See und mit den im Süden aufragenden Alpen.

Mit der Eröffnung der Bahnlinie Weilheim – Murnau, am 15. Mai 1879, bekam auch Uffing einen Bahnhof. So begann der Zulauf der sogenannten „Sommerfrischler oder Stoderer“.

In vielen Orten an der Bahnlinie bildeten sich „Verschönerungsvereine“ die sich um die jetzt notwendige Infrastruktur in den Gemeinden kümmerten. Auch in Uffing wurde laut dem Murnauer Staffelseeboten am 13. Mai 1899 der Verschönerungsverein gegründet. Unterlagen aus der Gründungszeit sind leider verloren gegangen. Initiatoren waren der Kaufmann Sebastian Hoiß, der Besitzer der Humplmühle Josef Schlickenrieder und der Landwirt Franz Saal. Erster Vorstand wurde Josef Schlickenrieder. Der Verein begann Spazierwege anzulegen, Bäume zu pflanzen und Ruhebänke aufzustellen. Unter der Vorstandschaft von Direktor Hofrat Karl Hubrich erhielt der Verein im Jahre 1909 neue Statuten. In den ersten drei Paragraphen wurden Zweck und Aufgaben festgelegt:

Der Verein nennt sich „Verschönerungsverein Uffing“ mit Sitz in Uffing,
Zweck des Vereins ist die Förderung der Interessen der Bevölkerung zur Hebung des Fremdenverkehrs,
dieser Zweck soll erreicht werden durch
geeignete Reklame,
Herstellung trockener, schattiger Spazierwege und passender Anlagen,
Förderung des Fremdenverkehrs.

Die Gastgeber

In einer gedruckten Vermieterliste um 1910 finden sich die Gasthöfe „Zur Sonne“ (heute Gasthof zur Post) von Georg Bärtl, „Zum Alten Wirt“ von Max Brunner, „Zum See“ (Neuwirt) von Paul Höck, „Zur Eisenbahn-Restauration“ von Gottfried Seitz und 38 Privatvermieter mit 166 Betten in 107 Zimmern.
Kennt man die Häuser von damals und auch nach dem 2. Weltkrieg, ist anzunehmen, dass die Vermieter mit ihren Familien in untergeordneten Räumen wie Keller, Werkstätten oder Heuboden zogen, um die „guten Kammern“ den Gästen zu überlassen. Die Quartiere waren einfach, in den Zimmern standen eine Waschschüssel und ein Krug mit Wasser, es gab selten fließendes Wasser. Als Toilette stand das „Häusl mit Herz“ außerhalb der Wohnung oder im Stall zur Verfügung. Den Sommerfrischlern gefiel es trotzdem gut und man kam gut miteinander aus.

Der Gastwirt Georg Bärtl baute 1911 zum bereits bestehenden Strandbad das Cafe am See (heute Alpenblick) mit Fremdenzimmer. Auch während des 1. Weltkriegs kamen Sommerfrischler nach Uffing, dies beweist eine Vermieterliste mit namentlicher Aufzeichnung von Gästen aus dem Jahr 1917.

Auf Grund der sehr guten Arbeit der Vorstandschaft des Verschönerungsvereins, in der auch einige Prominente wie Hermann Windgassen (sein Sohn Kammersänger Fritz Windgassen baute sich ein Haus am See) und Kapellmeister Theodor Huber Anderach mitwirkten, kamen viele Sommergäste, die oft viele Jahre ihren Urlaub in Uffing verbrachten. Es wurden Konzert- und Unterhaltungsabende organisiert, bei denen außer einem Uffinger Laien-Streichorchester auch Prominenz mitwirkte, wie Kammersänger Walter Zimmer vom Opernhaus Leipzig, Kapellmeister Theodor Huber Anderach, Fritz Windgassen von der Stuttgarter Oper, Konzertmeister Morasch, Franz Bachl und Direktor Anton Mehlhart aus München.
Vielen weiteren bekannten Persönlichkeiten wurde Uffing zum Feriendomizil oder zur zweiten Heimat. Der Filmschauspieler Otto Wernicke und Musikdirektor Friedrich Rammelt bauten ihre Häuser am Seeufer. Der berühmte Arzt Professor Dr. Ferdinand Sauerbruch besaß westlich des Sonnensteins eine Ferienhütte. Auch die Filmschauspieler Heinz Rühmann und Hans Albers waren in Uffing zu Gast. Von 1925 bis 1979 war auch eine sehr gut besuchte Jugendherberge im Haus Nr. 64 (heute Achleitenweg 1) vorhanden.
Das Gemeindebad

Im Jahre 1930 wurde vom Verschönerungsverein das neue Strandbad, heute Gemeindebad, geplant von Architekt Josef Riedl in Murnau, mit 24 Wechselkabinen für 375 Badegäste, erbaut. Von den Baukosten von 8.295,76 Mark wurden von der Gemeinde 8.000 Mark vorfinanziert. Westlich davon zwischen Bad und Seestraße war von 1946 bis 1966 auch der Fußballplatz. Bürgermeister Bernhard Stredele hatte für die Gemeinde die entsprechenden Grundstücke erworben. Der Birkenweg wurde angelegt, Bäume gepflanzt, sowie Ruhebänke mit Blick auf den Staffelsee aufgestellt.

Das Verkehrsamt

Das vom Verkehrsverein geführte Gemeindebad übernahm die Gemeinde selbst.

In der Gemeindeverwaltung wurde ein eigenes Verkehrsamt eingerichtet, das 1995 und 1996 jeweils von Mai bis Oktober von Frau Margaretha Hertel geführt wurde.

Von Februar 1997 bis Juni 2002 übernahm Frau Elisabeth Arnold (geb. Klar) diese Stelle. Es folgte ab 17. Juni 2002 Frau Lydia Krautwald, die bis August 2019 das inzwischen in „Touristinfo“ umbenannte Verkehrsamt führte. Seit 01.11.2019 ist Frau Christiane Pfanstiel für unsere Gäste zuständig.

Die Entwicklung des Fremdenverkehrs ist durch das 20. Jahrhundert bis heute untrennbar mit dem Verschönerungs-, Verkehrs-, Touristikverein verbunden.

In Uffing a. Staffelsee waren sich Gemeindeverwaltung und Bürgerschaft immer einig, einen sogenannten „sanften Tourismus“ zu betreiben, der uns große Gästehäuser und Hotels ersparte.
Heute ist das Angebot von Gästezimmern sehr rückläufig, der Trend geht zu Ferienwohnungen.

Franz Huber

Fortsetzung in der kommenden Ausgabe

 

(veröffentlicht in Hoagart 05 | Oktober 2022, siehe unten, Seite 34)

 

Oktober 2022

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Redaktion (ehrenamtlich)
Sascha Chowdhury (Redaktion Hoagart)
Redaktionsteam: Sascha Chowdhury (Redaktionsleitung, Bürger, Gewerbe, Kommune), Franz Huber (Kunst und Kultur), Reinhard Mook (Natur und Philosophie)

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