Dieser Beitrag enthält Wörter.
Die Lesezeit beträgt ca. Minuten.
Leseschwierigkeitsgrad:

Schöffau - Die Tracht früher und heute

Schöffau - Die Tracht früher und heute

Schöffau - Die Tracht früher und heute

Information
Bürger | veröffentlicht am: 01 Oktober 2022 | bearbeitet am: 01 Oktober 2022

In Schöffau wird bis heute noch viel Tracht getragen. Die großen Feiertage im Kirchenjahr werden vom ganzen Dorf feierlich gestaltet, wobei das Tragen der Festtagstracht für viele dazugehört. Wie die Tracht der Frauen früher aussah, hat die Trachtenschneidermeisterin Hildegard Weiß in einem Forschungsbericht anlässlich eines Trachtenschneiderkurses 1993 festgehalten: 

„Schöffau wird nicht zum Werdenfelser Gebiet gezählt, was sich aus meinen Nachforschungen im Bezug auf die Tracht bestätigt hat. Ich konnte keine historischen Kleidungsstücke, wie sie für Werdenfels typisch sind, entdecken.

Meine Hauptgewährsperson ist meine Großmutter, die heute noch nach wie vor Tracht trägt. Die zweite Informationsquelle sind alte Bilder von eingesessenen Bauersfamilien. So kann ich zurückgreifen bis ca. 1880.

Sogenannte Kassettl-Oberteile sind bei meinen Nachforschungen nicht aufgetaucht, was in den umliegenden größeren Orten schon der Fall ist. Mein Bericht bezieht sich auf die Zeit um 1900 und später. Auf allen Abbildungen kann man feststellen, dass die Frau stets bis oben hin zugeknöpft gekleidet war. War das Gewand am Hals etwas ausgeschnitten, so befand sich im Ausschnitt immer ein Halsstecker, auf den ein Stehkragerl gearbeitet war. Das Material war je nach Verwendung weiße Baumwolle, feiner dunkler Stoff oder für das Festtagsgewand farbiger Tüllspitzenstoff der Gewandfarbe entsprechend. Die Kropfketten, die sehr viel getragen wurden, trug man über dem Stehkragen.

An den Werktagen ist die verheiratete Frau immer in dunkle Wollstoffe gekleidet. Sie trägt ein langärmeliges Oberteil, dazu einen wadenlangen Rock. Über den Rock wird die Arbeitsschürze gebunden.

Als Kopfbedeckung trägt sie ein großes dunkles Wolltuch, das am Hinterkopf gebunden wird.

An den normalen Sonntagen sieht das Gewand ähnlich aus, nur wird eine schönere Schürze umgebunden und ein einfacher schwarzer Hut (in der Form wie der Schnurhut) mit einer einmal um den Hut gelegten Goldschnur getragen.

An den Festtagen trägt die Frau den Schnurhut mit der Goldschnur und den Goldquasten, auch war die untere Hutkrempe oft mit Goldstickerei verziert.

Das langärmelige Oberteil ist aus Seide oder feinen Wollstoffen, die meist unifarben sind. Evtl. zieht sich ein feiner Streifen oder ein ganz feines Streublümchen durch den Stoff. Darüber trägt die Frau ein schwarzes Schnürmieder mit Stäbchen versteift oder auch mal mit schwarzer Zierstickerei, nicht aber in Gold. Verschnürt wird das Mieder mit dem üblichen Silbergeschnür mit Talern und Silberstecker. Der Rock, aus dem gleichen Stoff wie das Oberteil, ist in der Taille gereiht oder in Fältchen gelegt. Er reicht bis zu den Knöcheln und ist oft im unteren Drittel mit Biesen, Posamentenborten oder Wolltressen verziert. Die Schürze, meist aus hellen Seidenstoffen mit eingewebten Blumenmustern oder Streifen, ist am Rand ringsum mit einer Spitze versehen. Sie ist hinten seitlich mit einem Moiréband gebunden. Die gesamte Weite der Schürze ist gereiht oder in Froschmäulchen gefasst, wobei die Bundweite der Schürze sehr verschieden ist. Mal ist die gesamte Weite auf nur 30 cm zusammengefasst, dann reicht sie wieder bis über die Hälfte der Taillenweite.

Über dem Schnürmieder wird ein ca. 80 x 80 cm großes Seidentuch mit langen, bis zu 6-mal verknüpften Seidenfransen getragen. Das Tuch ist immer weiß mit eingewebten Blumenmustern. Vereinzelt, sehr selten, sind diese Muster farbig eingewebt in hellen Tönen wie lila oder hellblau.

Die unverheirateten Mädchen tragen an sich ein fast ähnliches Gewand. Nur tragen sie keinen Schnurhut. Das Seidentuch wurde vorne in das Mieder gesteckt.

Für Beerdigungen trugen die Frauen ein schwarzes Seidentuch.
An kalten Tagen wird ein sogenannter „Schloager“ umgelegt, der aus schwarzem Baumwollsamt mit Prägung besteht und am Rand nicht so sehr lange schwarze Seidenfransen hat. Auch haben die Frauen eine Joppe aus schwarzem Samt mit hohem Flor und einer Prägung. Diese Jacke wird mit Silberknöpfen geschlossen.“

Der Begriff „guats und halbguats Gwand“ blieb bis heute erhalten.

Das „guate Gwand“ ist das beste Gwand mit Aufbreittuch und beim „halbguaten Gwand“ wurde ein weniger festliches Gwand ohne Aufbreittuch getragen. Wann „guat“ oder „halbguat“ an der Reihe war, ist genau festgelegt gewesen: Das „guate Gwand“ trug man am Ostersonntag, am Pfingstsonntag, an Fronleichnam, am Patriozinium und am Weihnachtsfest.

Das „halbguate Gwand“ kam an Neujahr, an Dreikönig, am Ostermontag, an der Erstkommunion, an Christi Himmelfahrt, am Pfingstmontag, am Dreifaltigkeitsfest, am Herz-Jesu-Fest (solange das Herz-Jesu-Fest groß gefeiert wurde, trug man das „guate Gwand“), an Maria Himmelfahrt, an Erntedank, am Rosenkranzfest, am Kirchweihfest, an Allerheiligen und Allerseelen und am Stefanstag zu Ehren.

Das „guate Gwand“ trug man auch zu persönlichen oder familiären Festtagen, wie zu Hochzeiten und Beerdigungen.

Die Männer trugen früher an Festtagen immer einen schwarzen Anzug. Zur schwarzen Hose mit der Joppe gehörte eine Weste, die mit Silberknöpfen ein- oder zweireihig zu schließen war. An der Uhrkette am Westentascherl war die Taschenuhr befestigt. Die Hosen waren früher alle ohne Bund mit hohem Rücken gearbeitet und wurden von einfachen Hosenträgern gehalten. An hohen Festtagen gehörte statt der Joppe der „Rock“ zum Anzug. Dies war eine auf Figur gearbeitete knielange Jacke, die hinten ab der Taille einen Schlitz mit zwei kleinen Falten hatte. Über den Falten waren zwei Knöpfe angebracht. Der Rock mit Reverskragen wurde doppelreihig mit schwarzen Knöpfen geschlossen und war aus feinem schwarzem Tuch gearbeitet.

Die Hemden hatten früher alle einen Stehkragen. Auf die weißen Hemden für Sonn- und Festtage wurde ein steifer Kragen aufgeknöpft. Mit dem „Knöpferl“ wurde eine kleine Schleife oder eine Binde im Hemdkragen befestigt.
Später wurden diese vom Selbstbinder abgelöst. In den Binder wurde bei festlichen Anlässen eine Krawattennadel (meist Grandlnadeln) gesteckt.

Ein Mantel für die kalte Jahreszeit, der „Überzieher“, vervollständigte die Garderobe der Männer. Aus festem schwarzem Wollstoff und mit Samtkragen gearbeitet wurde er über dem Anzug getragen. Dazu gehörte ein schwarzer Samthut mit breitem Ripsband und ohne Schmuck.

Der forstgrüne Anzug setzte sich ab den sechziger Jahren immer mehr auch als festlicher Anzug durch, so dass das schwarze Gwand in den Hintergrund gedrängt wurde und in den letzten zwei Jahrzehnten ganz verschwand.
An normalen Sonntagen trugen die Mannsbilder nach alten Fotos bis ungefähr zur Jahrhundertwende braune Lodenanzüge. Diese wurden nach und nach von den grünen Anzügen aus Tuch und Loden abgelöst.

Im Sommer wurde dann die kurze Lederhose mit meist grauer Joppe getragen. Dazu gehörte ein grünsamtener Hut mit verschiedenem Hutschmuck wie „Rougerschwanzerl“ (Reiherfedern), Hirsch- oder Gamsbart. Gerade der Gamsbart, der „Flam“ und Spielhahnstoß haben sich als Hutschmuck immer mehr eingebürgert und werden bis heute getragen.

Aus Chronik Schöffau "Unsere Heimat"

Der vorstehende Beitrag "Die Tracht früher und heute" ist, mit freundlicher
Genehmigung der Herausgeber, der Chronik Schöffau "Unsere Heimat"
(Seite 96 bis 98) entnommen. Hierfür nochmals unseren herzlichen Dank.

Sollten Sie Interesse am Erwerb dieser einmaligen, über 191 Seiten lebhaft
gestalteten und umfangreich mit historischen Aufnahmen bebilderten Orts-Chronik haben, wenden Sie sich bitte erwartungsvoll an die Gemeinde Uffing, Frau Christiane Pfanstiel, Telefon 08846 9202-13, E-Mail

Herausgeber Schöffau "Unsere Heimat":
Gemeinde Uffing am Staffelsee
Gebirgstrachtenerhaltungsverein "Wachtbichler" Schöffau

 

(veröffentlicht in Hoagart 05 | Oktober 2022, siehe unten, Seite 36)

 

Oktober 2022

ClimateID Tracking (Umwelt-Zertifikat Hoagart)

 

Redaktion (ehrenamtlich)
Sascha Chowdhury (Redaktion Hoagart)
Redaktionsteam: Sascha Chowdhury (Redaktionsleitung, Bürger, Gewerbe, Kommune), Franz Huber (Kunst und Kultur), Reinhard Mook (Natur und Philosophie)

Was denken Sie?

Schreiben Sie an die Redaktion!
Hinweis: Nach dem Abschicken Ihres Kommentars erfolgt keine gesonderte Versandmitteilung.


Drucken  

Neue Beiträge

 
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
Das Wort "Hoagart" leitet sich vom mittelhochdeutschen "Heingarte" ("Heimgarten") ab und bezeichnet ursprünglich den Garten vor dem Haus. Traditionell ist mit "Hoagart" ein gemütliches Beisammensein mit Nachbarn, Freunden oder Bekannten gemeint, gern auf dem Hausbankerl, bei dem viel erzählt, geschimpft und gelacht wird. Seinen Sie mit dabei und zeigen Sie sich als ortsansässiger Bürger aktiv mit ihrem Engagement, ihren Interessen und ihren Ansichten.