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Hannelore Niederreiter

Hannelore Niederreiter

Hannelore Niederreiter

Information
Bürger | veröffentlicht am: 01 Oktober 2022 | bearbeitet am: 30 Dezember 2022

Eine biografische Zeitreise

Hannelore Niederreiter wurde 1946 in Steingaden geboren. Nach Abschluss der Volksschule in Peiting machte sie eine Lehre zur Hotelfachfrau im Burgrestaurant Neuschwanstein. 1973 heiratete sie Quirin Niederreiter Junior aus Uffing. Seither lebt und arbeitet sie in Uffing. 

Mitten im Ort, dem einzigen Haus mit der Adresse Tassilostraße, befindet sich das Ladengeschäft von Hannelore Niederreiter. Im Schaufenster sind Spiel- und Schreibwaren zu sehen. Am Eingang wirbt ein Schild für „Lotto Bayern“. Lassen Sie uns eintreten und ein wenig der Geschichte von Hannelore Niederreiter lauschen. Mit einem Funkeln in den Augen beginnt Hannelore Niederreiter zu erzählen:

„1967 wurde das Gebäude, das zuvor ein Bauernhof mit einer Schmiede war, von meinen späteren Schwiegereltern Quirin Niederreiter Senior und Veronika gekauft und der heutige Laden mit rund 80 Quadratmetern daraus gemacht. Meine Schwiegereltern hatten zuvor unten im Ort eine Schneiderei.

Im selben Jahr habe ich meinen Mann Quirin Niederreiter, einen selbstständigen Textilhandelsvertreter aus Uffing, nach dem Skifahren in Garmisch, dort beim Tanzen kennengelernt. Sechs Jahre später, 1973, haben wir geheiratet. Ein Jahr später kam unsere Tochter Sabine zur Welt.

Das Geschäft hat seit 1967 meinen Schwiegereltern gehört. Es gab Textilien, Bademode, Kurzwaren, einfach alles. Insbesondere Bademode war sehr gefragt. Eigentlich war unser Geschäft damals eher ein kleines Kaufhaus.

Im Sortiment hatten wir früher auch Trachtenmode und Blusen namhafter Hersteller. Ebenso auch Unterwäsche, lange Unterhosen, die insbesondere von den Bauern für den Winter gefragt waren. Damals brauchte man auch nicht die Auswahl, die Menschen waren einfach mit weniger zufrieden. Schreibwaren, Spielwaren, Badeartikel und Lotto gab es in unserem Laden zudem von Beginn an.

Unsere Käufer waren zumeist Stammkunden, auch aus den umliegenden Ortschaften, und Einheimische vom Ort. Natürlich kauften hier in der Saison gern auch die Urlauber ein, oft jedoch erst nach dem Baden, nach 18 Uhr.

1981 ist der Quelle Versand an uns herangetreten. Damals gab es die Quelle Agenturen mit Katalogbestellungen, zu der wir dann auch geworden sind. Von den 10 Prozent Provision aus diesen Bestellungen hätten wir jedoch nicht überleben können. Somit haben wir, im Gegensatz zu vielen anderen Quelle Agenturen, unser eigenes Sortiment weitergeführt. Gelohnt hat sich die Agentur dennoch, weil es hier über die Menge der bestellten Artikel ging. Insbesondere waren Elektrogeräte sehr gefragt.

Damals gab es noch kein Internet oder Bestellungen per Telefon. Die Leute wurden von uns beraten, gaben dann ihre Bestellungen aus dem Katalog im Laden auf und bezahlten diese auch bei uns. Bestellte, leicht tragbare Artikel konnten bei uns abgeholt werden. Schwerere Sachen wurden den Kunden direkt zugeschickt.

Früher, bis 1993, hat meine Schwiegermutter im Geschäft ausgeholfen, sodass mein Mann Quirin und ich unter anderem auch mal Urlaub in Florida und Tunesien machen konnten. Doch seither bin ich nicht mehr groß in Urlaub gefahren. Mal zusammen mit der Familie meiner Tochter ein verlängertes Wochenende ins Salzburger Land. Ich bin einfach gern daheim und fahre in meiner Freizeit gern Rad, oder mache Nordic Walking. 2012 verstarb mein Mann Quirin.

Zur Fortführung des Geschäfts, das ich dann 1985 selbstständig übernommen habe, gibt es aktuell keine Planung. Das ist auch schwierig, da man mit einem kleinen Laden wie meinem nicht überleben kann, sobald dafür zusätzlich eine Miete gezahlt werden muss.

Es ist heute einfach so, dass die Menschen, oft wohl aus Bequemlichkeit, einiges schnell im Supermarkt oder im Internet erledigen, was auch bei mir zu haben wäre. Dennoch freue ich mich jeden Tag darauf wieder im Laden zu stehen, und mache gern weiter, solange mir meine Kunden und die Schulkinder die Treue halten und solange Gott will.“

Sascha Chowdhury, nach einem Interview mit Frau Hannelore Niederreiter vom 6. September 2022

 

(veröffentlicht in Hoagart 05 | Oktober 2022, siehe unten, Seite 23)

 

Oktober 2022

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Sascha Chowdhury (Redaktion Hoagart)
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