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Tourismus in Uffing a. Staffelsee (Teil 2/2)

Tourismus in Uffing a. Staffelsee (Teil 2/2)

Tourismus in Uffing a. Staffelsee (Teil 2/2)

Information
Bürger | veröffentlicht am: 30 Dezember 2022 | bearbeitet am: 30 Dezember 2022

Die NS-Zeit

Schon im Jahre 1934 scheint der Verschönerungsverein Uffing „gleichgeschaltet“ worden zu sein. Laut Protokoll der Hauptversammlung am 22. April 1934 im Gasthof „Alter Wirt“ berichtet Bürgermeister Stredele über die ministerielle Bekanntgabe vom 6.3.1934 betreff Gründung von Verkehrsvereinen. 

Nach eingehender Besprechung beschließt die Versammlung einstimmig, dass der Verein auf eine größere Basis ausgebaut und der Bürgermeister die Führung übernehmen soll.

Bürgermeister Bernhard Stredele übernimmt die Vereinsführung. Er ernennt in den Ausschuss:

  • Schlickenrieder Josef als 1. Vorstand,
  • Höck Hans als 2. Vorstand
  • Plötz Ignaz als Schriftführer
  • Nett Fridolin und Rammelt Friedrich als Beisitzer.

Bürgermeister Stredele schließt die Versammlung um 8 Uhr. Die Gleichschaltung war vollzogen. Die NS-Organisation „KdF“ (Kraft durch Freude) hat die Aufgabe der Fremdenverkehrsvereine übernommen.

Die Urlauber, die meist aus Sachsen kamen, wurden mit der Bahn schubweise angefahren. Auch diese wurden in Uffing freundlich aufgenommen. Der zweite Weltkrieg setzte der Reisetätigkeit ein Ende. Die Urlauber, die jetzt ankamen, waren Uffinger Soldaten, die von der Front kamen und sich erst wieder an ein Bett gewöhnen mussten.

In den Nachkriegsjahren war der Fremdenverkehr unbedeutend.

Der Campingplatz Aichalehof

Die ersten „Gäste“ kamen bereits 1931 von der Seeseite mit dem Paddelboot.
Der Zeltplatz am Aichalehof begann ab Mitte der 1930iger Jahre. Junge Münchner kamen mit ihren Motorrädern und fanden einen idyllischen Platz am Staffelsee - beim Aichale. Es gab keine Platzmiete, aber es konnten vom Aichalehof landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Milch, Eier, Butter usw. gekauft werden. Der „Campingplatz“ beim Aichale begann 1948 unter Johann Jais mit vielen jungen Gästen aus München, die hier ihre Zelte aufschlugen. Auch Zimmer wurden vermietet. Der inzwischen sehr bekannte Campingplatz Aichalehof, geführt von der Familie Jais, ist für Urlauber mit Zelten, Wohnwagen und Wohnmobilen (es gibt auch Dauerstellplätze) bestens gerüstet und bringt für Uffing hohe Übernachtungszahlen. Bereits 1957 konnten Parzellen zum Zelten gepachtet werden. Ab 1960, die Campingkultur entwickelte sich explosionsartig, kamen dann Wohnwagen als Dauercamper hinzu. Im Jahre 1954 wurde ein Austragshaus erbaut, in dem später auch der erste Kiosk seinen Platz fand. Um 1956 kamen Toiletten und Waschräume dazu, die 1962 beim Bau des neuen Kioskgebäudes verbessert wurden. Um 1960 gab es 450 Dauercamper und rund 150 Touristikcamper. Der inzwischen in Richtung Lindenbühl expandierte Campingplatz musste auf behördliche Anordnung hin auf 300 Parzellen zurückgebaut werden. In den Jahren 2013/14 wurden im Kioskgebäude ein Bistro eingerichtet, die WC- und Waschanlagen auf den neuesten Stand gebracht und die Zufahrt mit Meldebüro neu gebaut.

Heute (2022) finden sich auf dem Gelände 300 Dauercamper, 120 Touristikcamper und 80 Bootsliegeplätze. Während der Corona-Pandemie 2020/21 waren nur 100 Touristikcamper zugelassen.

Die Neugründung des Verkehrsvereins

Josef Furtmayr, Josef Mayer und Josef Frühschütz wurden 1950 von Bürgermeister Sebastian Buchner beauftragt, eine Versammlung zur Neugründung des Verschönerungsvereins vorzubereiten. Am 12. Februar 1950 fand die Gründungsversammlung statt, bei der auch eine neue Satzung beschlossen wurde. Der neue Verein sollte die Tradition des früheren Verschönerungsvereins weiterführen und bekam den Namen „Verkehrs- und Verschönerungsverein Uffing“. Vorstand wurde Josef Furtmayr.
Die Jahre nach der Neugründung des Vereins waren erfüllt von einer regen Mitarbeit des Ausschusses und der Mitglieder. Es gab viele Anregungen und Ratschläge, die den Sommerfrischlern und den Einheimischen das Leben angenehmer machen sollten. Im Rahmen der Finanzierungsmöglichkeiten konnten Verein und Gemeinde viele Wünsche erfüllen. Ab 15. Juni 1962 war der bei der Post beantragte Werbestempel im Einsatz (siehe Ausgabe 5, S. 34). Viele Arbeiten wurden in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde durchgeführt, was sich auch bis zur Auflösung des Vereins 2018 nicht änderte.
Auch Vermieter aus der Nachbargemeinde Eglfing schlossen sich dem Uffinger Verkehrsverein an. Als Vertreter fungierten ab 1960 der Gastwirt Karl Wühr und als Verbindungsmann für die Zimmervermittlung der Molkereibesitzer Bernhard Lechner.

Umfangreiche Vereinsarbeit

Die Organisation des Fremdenverkehrs, Zimmernachweis, Belegung und der dazu notwendige Schriftverkehr hielten den jeweiligen Geschäftsführer ganz schön auf Trab. Die Zimmervermittlung ging ab 1973 an die Gemeindeverwaltung. Mit dieser und anderen Ortsvereinen wurden jeden Sommer Brauchtumsabende, Gästemehrkampf, Standkonzerte und als Höhepunkt ein Seefest mit Schiffskorso und Brillantfeuerwerk abgehalten.
Im Jahr 1971 übernahm den Vereinsvorsitz Josef Pöschl, Gründer der Uffinger Wasserwacht. Der Vereinsname wurde in „Fremdenverkehrsverein Uffing“ geändert.

In Verbindung mit dem Gartenbauamt des Landkreises Garmisch-Partenkirchen wurden Blumenschmuckwettbewerbe durchgeführt und durch eine Bewertungskommission beurteilt. Die Haus- und Gartenbesitzer mit dem schönsten Blumenschmuck wurden in den Hauptversammlungen prämiert.

Im Jahre 1973 wurde der Gemeinde Uffing a. Staffelsee das Prädikat „Erholungsort“ zugeteilt.
Der 1. Bauabschnitt für neue Gebäude am Gemeindebad begann 1971. Vollendet wurde der Bau 1975.

Nach dem plötzlichen Tod des 1. Vereinsvorsitzenden Josef Pöschl im Dezember 1992 übernahm am 26. Februar 1993 Richard Strauß dieses Amt, in dem er bei der Neuwahl am 14. Januar 1994 bestätigt wurde. In seiner Zeit wurden Computer eingeführt. Neue Wander- und Radwege wurden erschlossen, deren Beschilderung durchgeführt und Wanderkarten erstellt.
Es folgten für den Verein turbulente Jahre, in denen es immer schwieriger wurde, bei jeder nach dreijähriger Amtszeit notwendigen Neuwahl eine Vorstandschaft zu finden. Immer kurz vor der Auflösung konnte eine Vorstandschaft gefunden werden.
Frau Christa Rohde wurde 1997 und 2000 zur 1. Vorsitzenden gewählt. Ab 2002 wurde der Vereinsname geändert in Touristikverein.
Bürgermeister Johannes Piegsa, der bereits in den 1980er Jahren in der Vorstandschaft mitwirkte, übernahm 2003 und 2006 das Amt des 1. Vorsitzenden, damit der Verein überlebte.
Wieder nach einigen Auflösungserscheinungen übernahm 2009 Frau Helga Gretschmann die Vereinsführung.
Sie trat 2012 und 2015 zur Wiederwahl an. In allen vorstehenden Vorstandsperioden wurden viele traditionelle Veranstaltungen durchgeführt und neue Ideen umgesetzt. Auch ein neues Terminal zur Zimmersuche wurde neben dem Eingang zum Rathaus auf Vereinskosten installiert, damit auch außerhalb der Bürozeiten die Gäste Unterkünfte leicht finden konnten. Im Jahre 2018 ließen sich keine Bewerber für die Vorstandschaft finden und so wurde der Touristikverein in der außerplanmäßigen Hauptversammlung am 25. Juni 2018 aufgelöst.

Franz Huber

Fotos © Heimatmuseum Uffing

(veröffentlicht in Hoagart 06 | Januar 2023, siehe unten, Seite 34)

 

Januar 2023

ClimateID Tracking (Umwelt-Zertifikat Hoagart)

 

Redaktion (ehrenamtlich)
Sascha Chowdhury (Redaktion Hoagart)
Redaktionsteam: Sascha Chowdhury (Redaktionsleitung, Bürger, Gewerbe, Kommune), Franz Huber (Kunst und Kultur), Reinhard Mook (Natur und Philosophie)

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