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Der Bauer Sepp vom Blaslhof

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Der Bauer Sepp vom Blaslhof

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Bürger | veröffentlicht am: 01 Juli 2023 | bearbeitet am: 01 Juli 2023

„Mein Name ist Sepp Taffertshofer. Alle Kinder nennen mich Bauer Sepp. 1952 wurde ich als ältester Sohn von fünf Geschwistern am Blaslhof in der Schöffau geboren. Meine Vorfahren haben den Blaslhof, den es bereits seit dem 17. Jahrhundert gibt, im Jahr 1835 gekauft und seither weitervererbt. Ich bin zum zweiten Mal verheiratet und habe aus erster Ehe fünf Kinder. 

Dass ich den Hof übernehme, war von Anfang an klar. Wieso? Weil ich bereits als Kind einen Vogel mit den Viechern hatte. Ich habe damals 30 bis 40 Hasen gezüchtet - und Wellensittiche. Und wenn meine Eltern mit den Geschwistern fortgefahren sind, bin ich gern daheim am Hof geblieben und habe mich um alles gekümmert. Ich habe die landwirtschaftliche Ausbildung Gehilfenprüfung und 1979 den Blaslhof übernommen.

Mit Urlaub auf dem Bauernhof waren wir in Uffing und Schöffau mit die Ersten. Ich habe das mit Leib und Seele gemacht, insbesondere weil ich gern etwas mit Leuten mache, noch lieber etwas für Kinder. So haben wir immer Familien auf dem Blaslhof gehabt, 40 Jahre lang.

Natürlich hatten wir Kühe. Zunächst waren es 25 Kühe, später 60 bis 65. Wir hatten immer sehr gute Kühe beim Zentral-Landwirtschaftsfest und mit Ricky auch mal die schönste Kuh von Bayern.

Ich war leidenschaftlich gern Landwirt. Aber durch den Urlaub auf dem Bauernhof und die Diskussion mit den Gästen, habe ich eine andere Einstellung zur Kuhhaltung bekommen. Damals habe ich Intensivwirtschaft betrieben und gefühlt den ganzen Tag Gülle gefahren.

Mit einigen Ponys auf dem Hof habe ich schnell gemerkt, dass die Leute auf Ponyfahren und Ponyreiten abfahren. So habe ich 1992 mit den ersten Pferden angefangen. Als vorsichtiger Mensch bin ich kein Risiko eingegangen. Die Pferde sind langsam mehr und mehr geworden, parallel dazu habe ich die Anzahl der Kühe reduziert. Nach drei Jahren gab es dann nur noch die Pferde – Pensionspferde.

Der Umstieg vom Kuhbauern zum Pferdebauern entwickelte sich, sodass wir am Hof mit Reitunterricht, Ponyreiten und Kindergeburtstagen unser Auskommen hatten. Am Lagerfeuer habe ich dann angefangen, Geschichten insbesondere für die kleinen Urlauber zu erzählen. Das habe ich aber auch immer schon leidenschaftlich für meine Kinder gemacht. Nicht vorgelesen, sondern Geschichten erzählt. So ist auch das erste Buch „Bauer Sepps Erlebnisgeschichten“ entstanden.

Und, weil es schwierig war einen Verlag zu finden, habe ich, vollkommen ahnungslos, das erste Buch 1999 im Eigenverlag mit 3000 Exemplaren herausgebracht. Das allein wäre eine eigene Geschichte wert. Nur so viel: Ich habe innerhalb von 9 Monaten so viele Bücher der Erstauflage verkauft, dass ich gleich mein zweites Geschichtenbuch realisieren konnte. Und schon ging es weiter mit neuen Buchideen und der Vorstellung, eine eigene Märchenbühne aufzubauen.

Ostern 2001 sollte es dann mit Bauer Sepps Märchenbühne losgehen, mit Puppen, viel schwarzem Stoff, mit mir als Erzähler im Fenster und rund 100 Besuchern. Zuvor gab es jedoch ein Problem: Das Stück war mit 30 Minuten einfach zu kurz. Was tun? Zum Glück konnten die 14-jährigen Reitermadln, die begeistert beim Puppentheater mitspielten, alle ein Musikinstrument spielen. So wuchs, ergänzt mit musikalischen Einlagen, die Dauer der Vorstellung auf 50 Minuten.

Im Jahr 2002 kam dann nach einer Theatervorstellung eine Frau mit ihren zwei Kindern auf mich zu, begeistert von der Idee, dass man daraus doch auch etwas fürs Fernsehen machen könnte und ob ich mir das vorstellen kann? „Warum nicht“, lautete damals meine Antwort, ohne zu wissen, welche Lawine ich damit in meinem Leben auslösen sollte.

Kurzum: 2003 zeigte der Bayerische Rundfunk in der Serie „Lebenslinien“ einen Film über den Bauern Sepp, das Porträt eines ehemaligen Kuhbauern, der nun auf Pferde und Urlaub auf dem Bauernhof macht, Kinderbücher schreibt und ein Theater betreibt – eine Geschichte, die es so sonst wohl nur im Märchen gibt.

Nachdem die Sendung ausgestrahlt worden war, war mein Leben im Ausnahmezustand. Ich war total euphorisch: Ein Zimmer mit Kartons voller Bücher. Alle Theatervorstellungen ausverkauft. Ich fühlte mich wie im siebten Himmel.

Auch weiter ging es Schlag auf Schlag. Zunächst eigentlich nur mit einem Spezl als Zuhörer angereist, plötzlich, aus dem Stehgreif Gewinner des Erzählwettbewerbs „Kuss und andere Annäherungsversuche“ in München. Drei Mal die Höchstpunktzahl der Fachjury, plus einen Sonderpunkt für die Gestik, die diese so noch nie gesehen hatte.

Wenig später habe ich den Innovationspreis der Bayerischen Landwirtschaft gewonnen, für den Bauern Sepp, der mit seinen Büchern und seiner Märchenbühne die Möglichkeit des Zuverdiensts im künstlerischen Bereich für sich gefunden hat.

2010 hat mein Sohn Barti (Bartholomäus), der zuvor seine Ausbildung als Pferdewirt erfolgreich abgeschlossen hatte, den Blaslhof übernommen. Zu dieser Zeit gab es auf dem Hof nur noch Pferde. Ohne seine Arbeit auf dem Hof, wären meine Ausflüge in andere Gefilde nicht möglich gewesen.

Da es mir nicht in allen Zeiten nur gutgegangen ist, was insbesondere die Schöffauer wissen, war für mich das Theater wie ein Lebenselixier. Wer mich gut kennt und ganz genau hinsieht, findet so auch in meinen Büchern Parallelen zu meinem Leben. Mit all dem will und kann ich nicht aufhören.

Meine mittlerweile ebenfalls theaterspielbegeisterte Frau Claudi habe ich im Jahr 2003 am Blaslhof kennengelernt, zunächst als Urlaubsgast. Unsere Freizeit verbringen wir heute oft mit unseren Pferden. Solange es unsere Gesundheit zulässt, spielen wir zu zweit weiterhin die Geschichten vom Bauer Sepp – gern auch noch in 10 oder 20 Jahren.“

Sascha Chowdhury, nach einem Interview mit Sepp Taffertshofer am 23. Mai 2023

(veröffentlicht in Hoagart 08 | Juli 2023, siehe unten, Seite 21)

 

Juli 2023

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