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Evi Mayr aus Uffing organisiert Ausstellung über Porträtzeichner und Kunstprofessor Max Hoy

Foto: Privat

Evi Mayr aus Uffing organisiert Ausstellung über Porträtzeichner und Kunstprofessor Max Hoy

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Bürger | veröffentlicht am: 21 Juli 2021 | aktualisiert am: 03 Oktober 2021

Der Mann, der die Falten liebte

Uffing/Thaining - Evi Mayr war kein Lausmadel. Dafür gab es Zuhause ihre fünf Brüder, diese Lausbuben. Sehr wohl aber hatte sie einen sturen Kopf. Immer wenn die kleine Evi wieder rumgebockt hat, schimpfte die Mama über ihren „Hoy-Schädel“. Als Erwachsene hat sie das lange beschäftigt. Was es heißt, einen Hoy-Schädel zu haben. Hoy, so hieß ihre Großmutter, also die aus der väterlichen Linie. Evi Mayr, die in Thaining aufwuchs und in Uffing lebt, ist deshalb in der Geschichte der Familie bis ins Jahr 1600 zurückgereist.

Sie hat auf diesem Weg viele Orte gesehen, viele Menschen gesprochen, viele Geschichten gehört. Eine davon hat sie jetzt für die Öffentlichkeit ausgegraben: das Leben des Kunstprofessors Max Hoy aus Obermühlhausen. In ihrer Ausstellung „Butterbilder“ zeigt sie am 11. und 12. September 2021, sowie am Wochenende darauf (zwischen 14 und 18 Uhr) im Rochlhaus in Thaining (Landkreis Landsberg am Lech) Werke und Geschichten von und über Max Hoy.

Über 30 Jahre wohnt Evi Mayr schon in Uffing (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) am Staffelsee. Also wirklich am Staffelsee. Vom Haus ihres Mannes zum Ufer sind es zwei Minuten. Im ersten Stock hat sie ein kleines Atelier eingerichtet. Am liebsten malt sie Engel. Oder Kühe. Zur Geschichte ihrer Familie gehört nämlich auch das eigenartige künstlerische Talent, das sich bei ganz vielen durchgeschlagen hat. Ihren Onkel Josef Widmann etwa, einen Kirchenmaler, kennen die Älteren in Thaining noch als den „Maler-Sepp“. Als sie mit der Ahnenforschung begann, wusste sie tief in sich drin: „Da muss doch einer in der Familie drinnen sein, von dem das kommt.“ Ob das nun Max Hoy ist der im Jahre 1883 geboren wurde oder doch ein anderer, lässt sich natürlich nicht erläutern. Aber der Mann hat sie fasziniert. Alleine, dass er als Dorfkind aufs Gymnasium durfte und Kunst studiert hat. In München, „der Künstler- und Studenten-Stadt zu der Zeit“, wie Mayr sagt. Wir sprechen von der Jahrhundertwende um 1900. Hoy hatte dann Studienaufenthalte in London und Paris und arbeitete dann in Augsburg, Nürnberg und Würzburg als Kunst-Erzieher. 1932 ernannte ihn der Freistaat zum Professor. Im Zweiten Weltkrieg wurde seine Wohnung und sein Atelier  in Würzburg ausgebombt und er zog aus Franken nach Eching am Ammersee, baute den Speicher im Hof seiner Schwester zum Atelier aus. „Er hat nie vergessen, wo er hergekommen ist“, weiß die 53-Jährige. Und Hoy hat bis zum Schluss gemalt. Ein unvollendetes Gemälde soll es noch geben. Hat Mayr im Zuge ihrer Recherchen erfahren.

Die Spurensuche hat Monate verschlungen und sie bis nach Amerika geführt. In Florida stieß Mayr auf die Tochter eines ehemaligen Hoy-Schülers. Die Frau schickte ihr Fotoabzüge und Zeitungsberichte. Mayr lud sie zur Ausstellung ein, doch sie kann nicht kommen. Wegen Corona. Die Amerikanerin hat ihr auch von Hoys Obsession für Porträts erzählt. Alte Menschen hat er gerne gezeichnet. Ihre Falten und Furchen erzählen vom Leben und Leiden. „Die hat er geliebt.“ Nach dem Krieg tauschte er die Charakterbilder oft gegen ein Pfund Butter für seine Familie. Deshalb trägt die Ausstellung auch den Titel „Butterbilder“, denn seine einzige Tochter nannte so die Bilder dieser Zeit. Hoy hat aber auch Gebäude bemalt wie sein Elternhaus in Obermühlhausen oder die Bahnhofshalle in Riederau, auf dem badende Kinder zu sehen sind. Zeitzeugen erinnern sich an die Signatur von Max Hoy, die aber mittlerweile verschwunden ist. Dieser naive Malstil lässt fasst vermuten das der bekannte Maler Max Raffler aus Greifenberg Einfluss auf Max Hoy hatte. Diesen Maler versorgte Max Hoy mit Malutensilien. Deshalb sucht Frau Mayr nun nach Fotos der Riederauer Bahnhofshalle oder Postkarten die die Signatur zeigen. Forschen in Archiven ergab leider nichts. Aber auch andere Hoy-Bilder im Diessener Raum, würden sie sehr interessieren. An den vier Tagen bieten Förderverein Rochlhaus und der Heimatverein auch Besichtigungen der Schlaf und Wohnräume im Rochelhaus. „Passt gut“, findet Mayr, da die Räumlichkeiten und Exponate aus der Zeit stammen, in der Hoy aufgewachsen ist. Die Vereine freuen sich über Spenden - für den Erhalt des Hauses.

Andreas Mayr

Informationen zur Ausstellung gibt's im Internet auf der Seite des Rochlhauses www.rochlhaus.de unter dem Menüpunkt "Aktuell" und "Veranstaltungen".

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