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Deifi Sparifankerl

Deifi Sparifankerl

Deifi Sparifankerl

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Bürger | veröffentlicht am: 29 Dezember 2021 | bearbeitet am: 31 Dezember 2021

Es miassat scho mim Deifi zuageh, wenn wir das Theater heuer nicht über die Bühne bringen könnten. So dachte man noch im Sommer. Sicher war aber lange nichts.

Corona machte es der Uffinger Theatergruppe des Trachtenvereins unter der Leitung von Alois Buchner nämlich nicht gerade leicht.

Begonnen hatte man mit den Proben ja bereits im vorigen Jahr, obwohl man damals schon mit Absagen rechnete. Aber man wollte endlich wieder mal etwas für die Leute und natürlich auch für sich selbst tun. Der zweite Anlauf begann dann heuer auch sehr früh und mit enormem Fleiß. Das aufwendige Stück verlangte das aber auch von den Theaterern ab. Denn eines war den Uffinger Akteuren bewusst: „Der Teufel steckt in den Details“. Und deren gab es gar viele im äußerst unterhaltsamen Stück von Ralph Wallner:

Die Großmutter des Sparifankerls, in höchsten Tönen gesprochen von Leonhard Resch, schickt ihren Enkel Luziferius unter Zeitdruck ins bayerische Landl, um noch eine menschliche Seele auf den unrechten Weg zu bringen. Da der Deifi schon sehr irdische Anwandlungen zeigt, erfüllt er diesen Auftrag nach anfänglichen Zweifeln mit großer Begeisterung. Erwartet er doch in Bayern hervorragende ländliche Küche, die er schon länger vermisst hatte. Der „Höllenfraß“ daheim hängt ihm schon zum Hals heraus. Und dass er auf seinem Erdenbesuch auch noch fesche Madl trifft, begeistert ihn zunehmend. Für Matthias Kutter ist diese sehr umfangreiche Hauptrolle der reinste Spaß. Von Anfang an bemerkt man, dass er den Teufel nicht nur hervorragend spielt, sondern in allen Facetten auch lebt. Von der auffälligen menschlichen Verkleidung bis zur hörndlgetrimmten Frisur und einem ausgesprochen vielfältigen Ausdruck lässt er nichts aus, um den Teufel in all seinen Eigenheiten zu verkörpern.

Auf seinem Weg begegnen dem Deifi einige Hindernisse, die es ihm nicht einfach machen, seine Aufgabe zu erfüllen. Die redliche Senta meint er in seiner Gewalt zu haben. Sie zwingt er, ihren Bruder Bertl auf den unrechten Pfad zu bringen. Ihre Hilfe ist ihm so gut wie gewiss, da sie ihren jüngeren Bruder über alles liebt. Aber im Zuge des Geschehens erkennt man, dass ihm dies nicht so leicht gelingen wird. Denn der zu jeder Spitzbüberei zu habende Bertl lässt sich zwar anfangs zu einer Gaunerei verführen, sein Gewissen bringt ihn aber letztendlich wieder zurück auf den richtigen Pfad. Die wechselnden Gefühle, die in ihm toben, zeigt Martin Mayr souverän und ausdruckstark – spitzbübisch halt. Auch seine Schwester Senta, dargestellt von Martina Arnold, erfährt aufregende Wandlungen. Als verliebte Geißhoferin erlebt sie Enttäuschung, vor dem Teufel zeigt sie Angst, geht aber dann couragiert und listig gegen ihn vor. Als erfahrene Schauspielerin des „Original Murnauer Bauerntheaters“ zeigt die schon einige Jahre in Uffing lebende Darstellerin ihre Vielseitigkeit und bringt mit viel Charme Ruhe in das teuflische Geschehen.

Zwei Damen machen es dem Teufel zudem auch noch schwerer, sich auf seine eigentliche Aufgabe zu konzentrieren. Nur zu gerne lässt er sich von den beiden Bäuerinnen, der Blechhoferin und der Goldtalerin ablenken. Lisi Gretschmann zeigt hierbei die schlagfertige und frivole Blechhoferin und erntet mit ihrem übersprudelnden Mundwerk und trockenem Witz jede Menge Lacher. Selbstsicher und sich ihrer Rolle als reichste Bäuerin des Ortes bewusst ist die Goldtalerin, die von Caro Schillinger und Vroni Hirschvogl in Doppelbesetzung gleichermaßen treffend verkörpert wird. Beide mimen ihr Interesse an der „Voglscheich“, die so eine direkte Art“ hat, in überzeugter frecher Manier und sie zeigen gewitzt, wie fasziniert sie von dem Sparifankerl sind.

Diese Damengruppe wird dann noch von der höchst vergesslichen Ungerin auf Trab gehalten. Was es mit der Vergesslichkeit der von Jutta Diepold perfekt und schlitzohrig gezeigten Bäuerin auf sich hat, zeigt sich, als sie spät einmal mit Nepomuk Stutz, dem Freund Bertls, alleine ins Gespräch kommt. Dieser kleine Gauner wird von Andreas Kerler raffiniert und voller Tatendrang dargestellt.

Und zuletzt ist da noch der, der geschädigt werden soll. Ferdinand, Graf von Falkenklamm, ein Adeliger mit Gestüt, gespielt von Toni Siegl, ist Ziel der ganzen Intrige. Wie der sich aus der Affäre zieht, muss man sich erzählen lassen.

Möglich wurde die Durchführung des Stückes aber auch nur deshalb, da hinter und auf der Bühne fleißige und richtig schlaue Helfer am Werk waren. So wurde die Bühne wieder von Meisterhand gestaltet. Martin Kroier erledigte die Malerarbeiten. Wichtig war aber auch die Durchführung der Zauberei des Sparifankerl. Adi Mück machte fast Unmögliches möglich. Die Schminke wurde wie immer von Anni Taffertshofer in akribischer Weise ausgeführt und die Souffleuse wurde neu angelernt; es war Franziska Buchner. Sie bietet Sicherheit, wurde aber Gott sei dank kaum gebraucht.

Gewiss ist, dass das Publikum hocherfreut zu den Veranstaltungen gekommen ist. Auch wenn nur zwei Drittel im Vergleich zu sonst Einlass fanden, herrschte wunderbare Stimmung. Die Besucher konnten ein Stück sehen, das den Ausgang der amüsanten Geschichte bis zum Schluss spannend machte und vermutlich die meisten Zuschauer durch mehrere Wendungen überraschte. Mit diesem Theater ist Ralph Wallner und auch den Uffinger Theaterern ein großer Wurf gelungen.

Trachtenverein D`Sunnastoana

(veröffentlicht in Hoagart 02 | Januar 2022, siehe unten, Seite 49 bis 51)

 

Januar 2022

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