Landwirtschaft und Gartenbau werden beeinflusst auch davon, wie der Boden sich verformt und bewegt. Dabei ändert sich seine Struktur. Diese ist bedeutsam für Verwurzelung und Austausch von Gasen. Eine Schlüsselrolle spielt Wasser, das an Bodenteilchen haftet. Dieses sei hier Thema. Insgesamt aber entwickelt sich der Boden durch zahlreiche physikalische und biologische Prozesse sowie Eingriffe des Menschen.
Aktualität: Das Sommerklima des bayerischen Alpenrandes kennt sowohl anhaltend warme und trockene, als auch kühle und niederschlagsreiche Abschnitte. Beobachtungen der letzten Jahrzehnte und aus Klimamodellen abgeleitete Wahrscheinlichkeiten lassen sowohl zunehmend ausgeprägte Trockenzeiten mit heißeren Tagen und intensiverer Verdampfung als auch lokale Starkregen erwarten.
Der Zustand des Erdbodens wird geprägt nicht nur vom wechselnden Abtrocknen und Befeuchten, sondern auch von seiner auf die Feuchtigkeit bezogenen Vorgeschichte. Die Beurteilung des Bodens als feucht oder trocken wird meist bezogen auf die Verfügbarkeit von Wasser für die Vegetation. Diese hängt ab einerseits von der Saugkraft der Wurzeln, andererseits vom Zugang zu freiem und vor allem an den Boden gebundenem Wasser.
Feuchte Flächen: Der Boden besteht aus festen Körnern, häufig aus Aggregaten dieser. Dazu gehören die mit Luft oder Wasser gefüllten Hohlräume, die Poren. Die festen Partikel adsorbieren Wasser. Ihre Oberflächen sind meist mit einer Wasserhaut überzogen. An Berührungsstellen von Körnern bestehen Wasseransammlungen. Molekulare und elektrische Kräfte halten das Wasser fest.
Wichtig: Je kleiner die Körner, um so größer ist die Summe ihrer Oberfläche bezogen auf ihr Gewicht. Lehm bindet daher viel Wasser, Sand wenig. Geringer Salzgehalt des Porenwassers, hohe relative Luftfeuchtigkeit der Porenluft, Nähe der Wassermoleküle zu festen Oberflächen begünstigen haftendes Wasser. Seine eingeschränkte Beweglichkeit äußert sich energetisch in Benetzungswärme und erniedrigter Gefriertemperatur.
Schmieriger oder gerissener Boden: Abgebildet ist der Zugang zu einer Weide an der Uffinger Seestraße. Nach langem Regen waren die Poren feinkörnigen Bodens mit Wasser gesättigt. Unter Druck von Kuhklauen wurde Wasser ausgepresst. Damit entfiel seine die Partikel zusammenziehende Wirkung und damit auch Tragfähigkeit, die Tiere sanken ein. Wasser als Schmiermittel schuf auf festem Unterboden eine Gleitfläche unter Druck bewegter Kuhgewichte. Nach einer heißen Trockenzeit war der gleiche Oberboden gerissen.
Die wasseradsorbierenden Kräfte zusammen mit Eigenbewegung der Moleküle bewirken, dass Partikel sich zusammenschließen oder gegenseitig abstoßen.
Das beeinflusst mechanische Eigenschaften des Bodens. Die abstoßende Kraft zwischen Wasser und Partikeln hindert deren Benetzbarkeit.
Schrumpfung: Mit Schrumpfung ist ein sich verringerndes Volumen gemeint. Ursache ist die Oberflächenspannung des Wassers. An seinen Grenzflächen wirken zusammenziehende molekulare Kräfte. Sie verdichten die Bodenpartikel, wenn Wasser entzogen wird, um so stärker, je enger die Poren sind. Aus grobporigem Sandboden lassen sich mit Wasser Figuren formen. Sie zerfallen, wenn der Sand austrocknet. Feinporiger Lehm mit großer Wasserkapazität dagegen schrumpft bei Trocknung zu einer harten Masse. Sie kann senkrecht zum Zug aufreißen. Haarwurzeln von Pflanzen werden abgetrennt.
Schrumpfen ändert die Struktur des Bodens. Insbesondere verringert sich der Porenraum. Später zugeführtes Wasser hebt die Wirkungen der Schrumpfung nicht auf. Der Zustand des Bodens bleibt geprägt von seiner Vorgeschichte.
Absorbiertes oder total gebrochenes Licht in wassergefüllten Poren lässt nasse Erde dunkel erscheinen. Sie hellt sich auf, wenn Poren austrocknen, daher die Licht zurückstreuende Fläche relativ zunimmt.
Risse: Durch Schrumpfen verhärteter feinkörniger Boden steht unter Zugkräften. Brüche entspannen die Spannung. Zu unterscheiden sind Trenn- von Scherbrüchen. Erstere entspannen durch rechtwinklig zum Zug gebildete vertikale Spalten. Letztere entstehen, wenn eine schrumpfende Bodenschicht über einer unveränderten Unterlage von dieser sich ablöst. In diesem Fall entstehen Blätter oder Platten, die je nach Festigkeit gerollt sein können, in jenem Fall Säulen oder Prismen.
Alle Bewegungen von Erde in geneigtem Gelände unterliegen einer bergab gerichteten Komponente der Schwerkaft. Die beschriebenen Verformungen tragen zum Kriechen des Bodens bei.
Quellung: Gemeint ist eine Erweiterung des Volumens, wenn dem Boden Wasser zugeführt wird. Bodenteilchen werden durch Wasser auseinandergedrückt, den Haftkräften entgegen. Diese wie auseinandertreibende Kräfte hängen ab von Art und Form der Körner.
Schrumpfung und Quellung verlaufen horizontal und vertikal. Reibung innerhalb des bewegten Bodenmaterials und gegen seine äußeren Grenzen erfordert mechanische Energie. Durch Schrumpfen verlorenes Volumen kann durch Eingriffe wiedergewonnen werden. Ungebundenes Wasser und Durchmischung sind dazu erforderlich. Umgraben im Garten kann die Poren erweitern und Bodenaggregate für Wasser zur Quellung verfügbar machen. Das kann auch durch den Aufschlag von Regentropfen oder den knetenden Tritt von Tieren geschehen.
Reinhard Mook
(veröffentlicht in Hoagart 17 | Oktober 2025, siehe unten, Seite 45)
Was denken Sie?
Schreiben Sie an die Redaktion!
Hinweis: Nach dem Absenden Ihres Kommentars erscheint hier eine kurze Versandmitteilung.





