„Sage es mir und ich vergesse es.
Zeige es mir und ich erinnere mich.
Lass es mich tun und ich behalte es.“
So wie Konfuzius es mit einfachen Worten beschreibt, wird es im Waldkindergarten gelebt. Die Kinder dürfen selbst ihre Erfahrungen machen. Die Betreuer stehen ihnen zur Seite und begleiten sie dabei. Anstatt Ermahnungen bekommen sie Begleitung, Aufmunterung und auch mal eine helfende Hand wenn nötig.
Durch die Sinneserfahrungen, die sie machen, wenn sie es selbst erleben, dass sie nass werden, wenn sie im Bach spielen, lernen sie schnell und nachhaltig. Dass es aufwendig ist, all die warmen Klamotten zu wechseln, bleibt viel eher in Erinnerung als ein Verbot, das sie an dieser so wertvollen Erfahrung gehindert hätte. Gleichsam erfahren sie ein Gefühl der Sicherheit, wenn immer jemand für sie da ist, wenn etwas derartiges passiert.
Gerade für die neuen Wurzelkinder sind es so viele neue Sinneseindrücke. So viele neue Menschen, Umgebungen und Situationen. Mittlerweile knüpfen sie schon die ersten Freundschaften. Sie lernen so schnell und sind schon ein fester Teil der Gemeinschaft. Da kommt es gerade recht, dass anfangs so viele Feste aufeinander folgen.
Gemeinsam ein Fest vorbereiten … das schweißt zusammen. Für das Erntedankfest graben sie miteinander ein Loch und dekorieren rundherum ein Naturmandala. Jedes Jahr verbuddeln sie verschiedene Früchte und Samen in der Erde. Immer mehr kleine Bäumchen sprießen an dem Platz schon aus der Erde und wachsen heran. Oh und wie fein die Suppe schmeckt! Von jeder Familie etwas geschnittenes Gemüse mitgebracht und über dem Feuer im Wald gekocht: Die zarte Rauchnote macht sie besonders schmackhaft.
Ein Höhepunkt jedes Jahr ist das Lichterfest. Aufregend ist das schon, wenn jedes Kind einzeln von den Eltern und Betreuern besungen in eine Spirale aus Zweigen gehen darf, in deren Zentrum das Licht ihrer Laterne entzündet wird. Wie sie halt so sind: schnell, zackig, schüchtern, zaghaft … auf jeden Fall alle freudig aufgeregt. Am Ende tragen sie stolz und mit strahlend großen Augen ihre Laternen durch den Wald. Unsere Gesänge hallen durch die Dunkelheit.
Beeindruckend ist auch der Theaterbesuch in Murnau. Ruhig und aufmerksam beobachten die Wurzelkinder, wie auf der Bühne der kleine Koriander in der Küche der Tuchlinge einzieht. Manchmal lachen alle schallend, wenn die Tuchlinge ganz aufgeregt sind. Später lauschen sie der gespannten Stille, bevor der kleine Grünling die Küche betritt und in allen möglichen Gefäßen Samen in die Erde steckt. Sie bestaunen all die Pflanzen, die plötzlich auf der Bühne so schön wachsen. Gemeinsam kennen sie sie alle.
Den ersten Schnee begrüßen sie mit freudig funkelnden Augen. Ihre Zipfelbobs ziehen sie vom Treffpunkt bis hoch in den Wald. Hinter dem Wald auf der Wiese, wo die Muhkühe wohnen, ist nämlich ein super Hang zum Rodeln. Das lieben sie und sie geben alles. Welcher Bob wohl der schnellste ist? Der rote oder doch der blaue? Der Winter dauert noch eine Weile. Vielleicht werden wir es noch erfahren ...
Auf ein weiteres Kindergartenjahr voller Freude und strahlender Kinderaugen!
Weitere Infos unter wurzelkinder-uffing.de.
Marina Apfel
(veröffentlicht in Hoagart 18 | Januar 2026, siehe unten, Seite 23)
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