Wie alle Pfarrgemeinden in Deutschland ist auch die Pfarreiengemeinschaft Staffelsee mit den Pfarreien Uffing, Seehausen, Schöffau, Waltersberg/Hofheim/Spatzenhausen vor einigen Monaten vom zuständigen Bistum aufgefordert worden, ein institutionelles Schutzkonzept (ISK) zur Prävention von (sexualisierter)Gewalt zu erarbeiten. Wie das in Uffing aufgenommen wurde und was sich die Pfarreien davon versprechen, darüber sprechen Petra Igler und Katharina Diener, Mitglieder der Projektgruppe ISK der Pfarrei Uffing.
Waren sie überrascht, als sie die Anordnung des Bistum Augsburg zur Erstellung eines Schutzkonzeptes bekamen?
Ja, zunächst waren wir schon ein wenig überrascht, aber ziemlich schnell überwiegte das positive Gefühl, dass wir ein Schutzkonzept individuell für die Pfarreiengemeinschaft erstellen dürfen. Denn somit können wir hoffentlich einen Beitrag dazu leisten, den Ruf der katholischen Kirche zu verbessern. Die Menschen sollen das Gefühl haben, dass sich die katholische Kirche Gedanken macht und etwas verändern möchte. Deshalb gründeten wir als erstes eine Projektgruppe, die aus je zwei VertreterInnen der Mitgliedspfarreien besteht, und machten uns an die Arbeit.
Aber kommt diese Aktion denn nicht Jahrzehnte zu spät?
Fehler von früher kann diese Aktion natürlich nicht ausgleichen, aber jetzt ist zur Erstellung eines solchen Schutzkonzeptes zur Prävention von (sexualisierter) Gewalt zumindest die zweitbeste Zeit.
Im Zuge des Konzeptes werden wir zum Beispiel auch klären, wer ein einfaches und wer ein erweitertes Führungszeugnis für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen braucht.
Fühlen Sie sich als Ehrenamtliche mit dieser Aufgabe nicht überfordert? Und wäre es nicht Aufgabe der Amtskirche, ein solches, für alle Pfarreien gültiges, Konzept zu erstellen?
Überfordert fühlen wir uns keineswegs, denn das Bistum Augsburg unterstützt uns Ehrenamtliche nach Kräften. Eine Mitarbeiterin des dortigen Fachbereichs „Prävention“ besuchte unsere Pfarreiengemeinschaft vor Ort und hilft auch bei der Erstellung des Konzeptes, prüft später die fertigen Entwürfe und schaut, ob das Konzept die wichtigsten Punkte enthält.
Und wie gesagt, wir freuen uns, weil uns nichts von oben übergestülpt wurde, sondern die Basis das Konzept erarbeiten darf. Denn auch nur so macht das Sinn. Käme das Konzept von oben, würde es gelesen und dann vielleicht in der Schublade verschwinden. Aber so ist das Ganze unser Projekt.
Es geht ja nicht nur um sexualisierte Gewalt. Für wen ist das Konzept konkret noch gedacht?
Das Konzept ist für alle gedacht, die sich in der Kirche aufhalten oder mit der Kirche irgendwie zu tun haben. Es geht auch um Mobbing, schlechten Umgang miteinander, bis hin zu Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt – im Prinzip betrifft es jede Gruppe und jede Situation.
Die Menschen sollen sich in den Räumen der Kirche wohlfühlen und wissen, dass hier Gewalt nicht geduldet wird und Betroffenen geholfen wird. Zum Beispiel geht es auch darum, dass wir für Abhilfe sorgen wollen, wenn der Weg zur Kirche oder zum Parkplatz unbeleuchtet ist und sich deshalb Menschen unsicher fühlen.
Was beinhaltet ein solches Konzept und wie kommen Sie an Ihre Daten?
Die Projektgruppe unserer Pfarreiengemeinschaft hat Fragebögen für Kinder und Jugendliche und Fragebögen für Erwachsene entworfen, die in den letzten Wochen an alle verteilt wurden bzw. noch verteilt werden, die mit Kirche zu tun haben – sei es als Ministrant, Chorsänger oder Gottesdienstbesucher. Außerdem liegen die Fragebögen auch in der Kirche aus und man kann sie auf der Homepage unserer Pfarrei einsehen und herunterladen. Darin fragen wir zum Beispiel, ob man Wünsche und Ideen in seiner Gruppe ansprechen kann, oder ob man sich in seiner Gruppe ernst genommen fühlt. Außerdem steht in den Fragebögen auch die telefonische Erreichbarkeit von uns Beiden. Sowohl Betroffene, als auch alle, die weitere Fragen zum Schutzkonzept haben, können sich jederzeit an uns wenden.
Mit dem Konzept und dessen Umsetzung soll zum Ausdruck kommen, dass wir unsere Kirche als Schutzraum sehen. Es soll sich jeder wohlfühlen, und es muss klar sein, dass wir uns gegenseitig wertschätzen. Die Menschen sollen das Gefühl haben: „Ja, die meinen es ernst.“
Das Konzept soll noch in diesem Jahr fertig sein. Werden die Ergebnisse auch veröffentlicht?
Ja, natürlich – ganz egal wie das Ergebnis der Befragung ausfällt. Die Fragebögen werden von unserer Projektgruppe anonym ausgewertet und anschließend auch über die bekannten Kanäle, wie den Newsletter, die Homepage, den Schaukasten, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Aber selbstverständlich nicht jeder Einzelfall, sondern nur das gesamte Schutzkonzept.
Petra Igler und Katharina Diener
Pfarrgemeinderat
Pfarrei St. Agatha, Uffing
(veröffentlicht in Hoagart 16 | Juli 2025, siehe unten, Seite 14)
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