Also naa, ihr glaubt es ja nicht, was bei uns in der Gemeinde alles passiert. Die mehreren von euch (zumindest die zahlreichen Besucher des Uffinger Bauerntheaters) wissen ja, dass ich in einem Altbau im oberen Stockwerk wohne.
Und da unsere zwei Quadratratschen, Annelie Gugl, eine Hausmeisterin der alten Schule, neugierig und die Augen schon in der „Form von Schlüssellöchern“, und die Hilde Hupf, Inhaberin des Friseursalons im Haus, sich ja fast täglich zum gemeinsamen Kaffee- und Guglhupf-Ratsch bei uns im Hinterhof treffen und dann die Leut’ ausrichten, krieg’ ich dann schon viel mit, auch wenn ich nicht mehr so gut hör. Aber was ich hörn will, das versteh ich schon, ihr wisst’s ja ...
Unser Hinterhofidyll ist aber auf einmal zerstört worden. Die Packerl Betti ist mit der furchtbaren Meldung daher gekommen, welche uns Bewohnern eine saftige Mieterhöhung von so einem Miethai angekündigt hat. Das hat nicht einmal die Betti gewusst, die doch sonst immer schon die ganze Post liest, bevor sie sie abgibt.
Ja also, der Miethai, ein gewisser Winfried Massl, will halt das Haus abreißen und versucht, uns alle rauszuekeln. Uns, das sind eben die zwei, die Hilde Hupf und die Annelie Gugl, die Gisi – eine graue Maus, ein erst eingezogener Lapp – der Theobald Hecht, und i – die Oma Wiese.
Uns wollte der also hinausekeln. Dabei hat sich doch erst eine Liebesgeschichte zwischen dem Hecht und der Gisi angebahnt. Cha-Cha-Cha tanzen sie schon miteinander.
Aus Geldmangel haben sich da einige nicht mehr zu helfen gewusst und illegale Sachen angefangen. Die Hupfin und die Gugl sind auf die Idee gekommen, in dem Frisörsalon eine Ehevermittlung zu betreiben – nach dem Motto „waschen, legen, kuppeln“.
Aber der Vermieter Massl ist den zwei Ratschn auf die Schliche gekommen und verlangt jetzt von den beiden, dass auch für ihn eine Vermittlung herausspringt. Er lebt ja schon seit Jahren allein.
Inzwischen läuft die Vermittlung aber weiter. Die beiden Kupplerinnen wollten den Metzgermeister Heli Wammerl mit einer Witwe verkuppeln, aber die Rechnung haben sie nicht mit dem Einsatz der verfressenen Konditorin Vevi Rammerl gemacht. Diese „Tortentermite“ hat sich den Haxn-Heli einfach geschnappt.
Auf unserem Hinterhof ist aber auch so jede Menge los. Die Betti zum Beispiel kommt auch so gern dahin. Da kann sie nämlich den Preissn von gegenüber beobachten, in den sie so vernarrt ist. Aber nicht nur sie, sondern wir Weiberleit alle sind ganz aufgeregt, wenn sich da drüben was regt: „A so a Granatn!“
Wie man aber jetzt aus dem Schlamassl wieder herauskommt, das passiert einfach, wie es passiert. Ist der Miethai doch tatsächlich der Verflossene und tot geglaubte Verlobte von unserer Frau Hupf. Alle zwei glauben, der andere hätte ihn hintergangen. Aber Gott sei Dank lässt sich das alles aufklären und damit unsere Notlage verhindern. Hätte saublöd ausgehen können. Aber so haben sich gleich mehrere Paare gefunden. Und das freut auch mich besonders.
So, das war jetzt das Neueste aus unserem Hinterhof. Ich werde fleißig weiter aufpassen, damit ich wieder was zum berichten hab.
Eure Oma Wiese
Alois Buchner, unser Regisseur, hat wieder einmal bei der Auswahl des Stückes ein goldenes Händchen gezeigt. Damit konnte er die Rollen mit unseren Akteurinnen und Spielern perfekt besetzen.
Die Hauptrollen, gespielt von Jutta Diepold und Maria Reicheneder waren den beiden auf den Leib geschrieben und sie sorgten mit ihren perfekt inzenierten Ratschereien und dem Leuteausrichten für sehr viel Vergnügen. Jutta mit sehr viel hervorragend gespieltem Wortwitz und ebenso Maria, die den Wechsel der Gefühle wunderbar umsetzte.
Unruhe stiftete der neue Hausbesitzer Winfried Massl. Zuerst zeigte Hardi Resch einen gefühlskalten Geschäftsmann. Sehr gut gelang ihm im Laufe der Geschichte der Wandel zum einfühlsamen Partner der Hilde Hupf.
Aber auch die anderen Personen waren optimal gewählt. So zeigte der anfangs schüchterne, fast schon verklemmte Neumieter Theobald Hecht immer frechere Anwandlungen. Hervorragend schelmisch brachte Martin Mayr seine Rolle zur Geltung.
Dazu gefiel Vroni Hirschvogl als graue Maus Gisela Graubrot, die nicht immer nur schüchtern herüber kam, sondern auch mit frechen Kommentaren glänzte: „Ausziehend waar scho aa ok!“
Deftig grob spielte Andreas Kerler passend den Metzgermeister Wammerl, der in seiner Witwerrolle eher praktisch dachte. „Konnst du rechnen?“, fragte er die Konditorenwitwe mit Dauerappetit Vevi Rammerl. Wie immer eine Garantin für besten Humor, Lisi Gretschmann.
Quirlig und lebenslustig setzte Caro Schillinger ihre Neugier als aufgeweckte Postbotin Packerl-Betti zur Schau. Ihr entging keine Neuigkeit im Dorf.
Toni Siegl
für die Sunnastoana Theaterer
(veröffentlicht in Hoagart 18 | Januar 2026, siehe unten, Seite 42)
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