Grasfrosch, Erdkröte, Gelbbauchunke und Laubfrosch
Die Lurche (deutsch für Amphibien) zeichnen sich durch eine nackte, drüsenreiche Haut aus, die ständig feucht gehalten werden muss.
Charakteristisch ist, dass sie im Verlaufe ihrer Entwicklung einen Übergang vom Wasser zum Landleben vollziehen. Sie pflanzen sich über Eier (Laich) fort, die ins Wasser abgesetzt werden (entweder in Form von Laichschnüren oder Laichballen) und aus denen kiementragende Larven (Kaulquappen) schlüpfen. Nach einer gewissen Entwicklungszeit verlassen sie das Wasser, um an Land weiterzuleben. Mit diesem Übergang vollzieht sich eine Umwandlung der Körpergestalt (Metamorphose). Dabei bilden sich Flossen und Kiemen zurück und die Gliedmaßen bilden sich weiter aus. Damit ist die eigentliche Entwicklung abgeschlossen. Der Rest ist Überlebenstraining! Diese wasserabhängige Fortpflanzung macht unseren einheimischen Lurchen das Überleben allerdings auch sehr schwer. Durch das Zuschütten und Trockenlegen von Feuchtgebieten und die Verunreinigung von Gewässern sind viele Arten bereits verschwunden oder nur noch vereinzelt vorhanden; viele wurden in die „Rote Liste“ oder „Vorwarnliste“ aufgenommen.
Weltweit zählen Amphibien zu den am stärksten bedrohten Tiergruppen. Das gilt auch für Bayern: Von den ursprünglich 20 heimischen Amphibienarten stehen zwölf auf der „Roten Liste“, das sind fast zwei Drittel. Acht Arten sind aktuell als „vom Aussterben bedroht“ oder „stark gefährdet“ eingestuft (https://www.lfu.bayern.de/).
Eine große Herausforderung bedeuten zusätzlich zum Lebensraumverlust die alljährlichen Froschwanderungen zu den Laichgewässern.
In Zusammenarbeit mit dem LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V.) oder BN (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V.) errichten deshalb ehrenamtliche Helfer an den relevanten Straßenzügen sogenannte Fangschutzzäune, um das für die Amphibien gefährliche Überqueren zu verhindern. Hinweisschilder mit Tempolimit weisen ebenfalls auf die Wanderung hin. Wichtig zu wissen: Die Tiere sterben nicht nur, wenn sie direkt überfahren werden. Auch wenn sie zwischen die Räder genommen werden, endet das für die meisten tödlich, da sie durch den Strömungsdruck innere Verletzungen erleiden. Da hilft nur: langsam fahren, weshalb Experten schon lange Tempo 30 auf entsprechenden Strecken zur Wanderungszeit fordern.
Beim Amphibiensammeln werden die Tiere zu bestimmten Tageszeiten in Eimern gesammelt und anschließend zum angestrebten Laichgewässer getragen. Gelegentlich existieren auch Straßentunnel, die von den Lurchen genutzt werden können. In unserem Bereich gibt es überwiegend zwei Arten, die wandern: Erdkröte und Grasfrosch. Wenn draußen noch winterliche Verhältnisse herrschen, sind vor allem der Grasfrosch, sogar bei Eis und Schnee, und ca. 2 Wochen später die Erdkröte unterwegs. Beide benötigen Regen und nächtliche Plusgrade als Startsignal für die Wanderung. Zielorientiert streben sie nun zum Laichgewässer, in dem sie auch geboren sind. Die Hindernisse sind oft groß und schwer überwindbar. Als Sammler ist es nicht immer einfach, die Tiere in den Wiesen zu entdecken, wo sie sich geschickt auch unter den Fangzäunen verstecken.
Vier Arten, die in unserer Region vorkommen, sollen hier kurz vorgestellt werden:
Der Grasfrosch (Rana temporaria)
ist von kräftiger Struktur. Die Grasfroschweibchen sind bis 13 cm, die Männchen bis 9 cm groß. Oberseite gelbbraun, rot oder dunkelbraun. Kopf vorne stumpf, Trommelfell deutlich ausgebildet. Die Männchen während der Paarungszeit mit dicken Unterarmen und Brunftschwielen an den Daumen. Laichballen mit bis zu 3000 Eiern werden im Flachwasser abgesetzt und schwimmen an der Wasseroberfläche.
Der Grasfrosch ist überwiegend tag- und nachtaktiv, besonders bei feuchter Witterung. Feuchtgebiete mit dichter Vegetation, Laubwaldgebiete, Waldränder, Wiesen und Moore sind sein Lebensraum. Überwinterung im Schlamm des Gewässergrundes oder auch an Land. Als ausgesprochener „Bewegungsseher“ erbeutet er vor allem Schnecken, Würmer, Käfer, Schnaken, Spinnen durch Zuschnappen.
Die Erdkröte (Bufo bufo)
ist ebenfalls von kräftiger Struktur. Die Weibchen bis zu 15 cm, die Männchen bis 8 cm. Ihr Körper ist plump, kurzbeinig, warzige Haut, große Ohrdrüsen, waagerechte Pupillen. Die Oberseite schmutzgelb, die Unterseite hellgrau mit dunklen Flecken. Die Wanderung zum Laichgewässer erfolgt oft im Huckepack: Die größeren Weibchen transportieren gezwungenermaßen die deutlich kleineren Männchen zum Gewässer. Diese lassen sich nur schwer von den Weibchen trennen. In ihrem Paarungsdrang springen sie beinahe alles an, was etwa Größe und Form eines Krötenweibchens hat.
Im Gewässer angekommen, beginnt die eigentliche Paarung. Mehrere tausend Eier in langen gallertartigen Schnüren werden vom Weibchen an Wasserpflanzen abgestreift. Nach der Umwandlung wandern die Jungkröten in Massen in die verschiedenen Landlebensräume aus. Bevorzugt sind Steinbrüche, Kies und Sandgruben, feuchte Keller, Streuobstgebiete, Wälder. Nahrung wie der Grasfrosch.
Gelbbauchunke (Bombina variegata)
ist ebenfalls von kräftiger Struktur. Die Größe/ Länge meist bis 5 cm.
Kennzeichen: Gedrungener, warziger Körper (giftiges Hautsekret) mit runder Schnauze und herzförmiger Pupille. Hauptmerkmal ist das gelbe Fleckenmuster auf der Bauchseite. Die Männchen mit inneren Schallblasen. Unverkennbar sind die abendlichen Konzerte aus kontinuierlichen Uuu-Rufen.
Lebensraum: Flache Kleingewässer, auch Pfützen, Wagenspuren und Radfurchen.
Lebensweise: Überwinterung in Bodenverstecken, gut an Wasser angepasst. Bei Störungen jeglicher Art taucht sie unter und gräbt sich im Schlamm ein. Bei Störungen an Land nimmt sie eine Schreckstellung ein (sog. Kahnstellung; „Unkenreflex“) und zeigt dabei demonstrativ ihre Unterseite. Tag- und nachtaktiv.
Fortpflanzung: 2-3 Mal im Jahr. Zur Fortpflanzungszeit bilden sich beim Männchen hornige Brunftschwielen an Fingern und Zehen. Laichzeit Anfang Mai bis Mitte Juni. Ca. 100 Eier werden einzeln oder in kleinen Gruppen am Gewässergrund, manchmal auch an Wasserpflanzen abgelegt.
Gefährdung: Lebensraumzerstörung, Gewässervernichtung, Intensivierung Landwirtschaft.
Europäischer Laubfrosch (Hyla arborea)
Größe 3-5 cm
Kennzeichen: Lange Hinterbeine, glatte Haut, Haftscheiben an Finger- und Zehenspitzen. Grasgrüne Oberseite, die in Grau, Braun oder Gelb wechseln kann (Farbenwechsel). Schwarzer Streifen entlang der Flanke. Männchen mit dunkler oder gelber Kehle und innerer Schallblase. In der Natur nimmt man den Laubfrosch durch seine gute Tarnung kaum wahr.
Lebensraum: Büsche, Bäume, Schilf, flache Gewässer.
Lebensweise: Einziger heimischer Froschlurch, der auf Gebüschen und Bäumen lebt. Er hat demzufolge auch hervorragende Spring- und Klettereigenschaften. Auch dornige Heckensträucher wie Brombeeren werden bevorzugt angenommen.
Fortpflanzung: April bis Mai. Von seinen Ruf- und Laichgewässer aus ist er kilometerweit zu hören. Balzrufe der Männchen. Lauter dröhnender nächtlicher Chorgesang. Das eigentliche Laichgeschäft dauert oft nur wenige Tage. Die Laichballen (ca. 50 Eier) im seichten Wasser walnussgroß. Nach 1-2 Monaten entwickeln sich die Kaulquappen und verlassen im Juli oder August das Wasser.
Gefährdung: Gewässerbelastung, Beseitigung von Hecken und Gebüschen, Einsetzen von Fischen in Laichgewässern. Der Laubfrosch ist sehr selten geworden.
Die Gefährdung von Amphibien und ihr Verschwinden reißen ein großes Loch in die natürliche Nahrungskette. Auf der einen Seite fressen alle Lurche Käfer, Schnaken, Fliegen, Spinnen und Würmer, gleichzeitig sind sie aber auch wichtige Beutetiere für Vögel, Störche, Reiher und Schlangen. Insgesamt ist in unserer Region ein weiterer Rückgang der Bestände, auch am und im Murnauer Moos, zu verzeichnen.
Text: Dieter Pirkl
für die Naturschutzwacht Uffing
Fotos: Dieter Pirkl und Christine Matthes
(veröffentlicht in Hoagart 20 | Juli 2026, siehe unten, Seite 42)
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