Im Oktober gab es innerhalb von zwei Wochen zwei Begegnungen mit Bundeswehr-Soldaten in Uffing, die mich auf unterschiedliche Weise irritierten. Im Austausch mit anderen Uffinger Mitbürgerinnen und Mitbürgern zeigte sich, dass viele ähnlich empfunden haben.
Nach Gesprächen mit Bürgermeister, Gemeinderatsmitgliedern und Organisatoren der Veranstaltung möchte ich mit diesen öffentlichen Reflexionen dazu eine breitere Diskussion anstoßen, mit Kritik, die konstruktiv ist und weiterführt.
Beim Besuch des Regionalmarkts am 18. Oktober 2025 war ich zufällig Zuschauerin der Bundeswehr-Modenschau, die auf einem eigens dafür gebauten Laufsteg vor dem Gasthof zur Post neben der Blasmusik stattfand. Andere Events waren nicht ersichtlich, sodass diese Modenschau, in zwei Zeitfenstern vorgeführt, zentrale Aufmerksamkeit erhielt. Die Soldatinnen und Soldaten präsentierten ihre Uniformen und Bekleidung, die von Bademode bis hin zu martialischer Kampfausrüstung mit Sturmhaube und Sturmgewehr reichte. Per Lautsprecher gab es neben moderierenden Kommentaren teils dramatische Musik sowie Vereidigung und Gelöbnis, dem Vaterland zu dienen. Es gab Zuschauende, die klatschten und offensichtlich davon angetan waren sowie Zuschauende, die sich kritisch äußerten, bis hin zu solchen, die die Veranstaltung empört verließen. Im „Murnauer Tagblatt“ erschien im Nachgang ein kritischer Artikel zu der Veranstaltung, bei dem die Beschreibung der als in diesem Format unangemessen erlebten Modenschau der Bundeswehr die Berichterstattung über den ansonsten lebendigen und bunten Markt überschattete.
Persönlich erlebe ich den Uffinger Regionalmarkt als einen Höhepunkt im Jahr. Regionale Stände mit selbst hergestellten Produkten, eingebettet in eine gute Organisation der Veranstaltung, bieten einen abwechslungsreichen Tag für Groß und Klein.
An dieser Stelle soll es nicht um eine Diskussion über die Notwendigkeit von Wehrpflicht gehen; für diese komplexe Frage gibt es hinreichend gute Argumente für alle Seiten. Die an dieser Stelle relevante Frage ist, ob der Uffinger Regionalmarkt nicht das falsche Format für eine Bundeswehr-Modenschau ist.
Durch die Gesamtbedrohungslage in Europa und weltweit sind uns Militär und Krieg im Alltag sehr präsent. Als informierte, mündige Bürgerinnen und Bürger sehen wir uns kontinuierlich mit Bildern und Texten zu Kriegsgeschehen, Leid und Zerstörung konfrontiert und der Schrecken des Krieges wird uns täglich vor Augen geführt.
Wollen wir wirklich, dass zu festlichen Anlässen wie dem Uffinger Regionalmarkt, bei dem zudem ein großer Prozentsatz der Besucherinnen und Besucher Kinder sind, bei dem man durchatmen, positive Erlebnisse haben, Kontakte pflegen, regionale Produkte erwerben kann, wollen wir wirklich zu solcherlei Anlässen mit martialisch anmutenden Szenen konfrontiert werden, die an Krieg erinnern? Es wäre zu überlegen, welche passenderen Formen es gäbe, bei denen sich die Bundeswehr präsentieren könnte.
Die zweite Irritation ereignete sich wenig später in Uffing bei einem kleinen wohnortnahen Spaziergang zur Dämmerung. Plötzlich war am Straßenrand, auf der Wiese und am nahe gelegenen Waldrand aggressives Geschrei von verschiedenen männlichen Stimmen zu hören, dazu Schießereien; das Ganze geschätzte knappe dreihundert Meter entfernt von den ersten Häusern.
Es war zu dunkel, als dass man Genaueres erkennen konnte und es gab keine weiteren Passanten, sodass ich mich in Sicherheit brachte. Kurz davor die Polizei zu rufen, erfuhr ich durch einen Telefonanruf, dass es sich um Übungen der Bundeswehr handelte. Schwer zu begreifen, dass eine solche Militärübung, die in unmittelbarer Nähe der Wohnhäuser stattfindet, nicht offensichtlicher angekündigt werden konnte.
Nach einer Recherche ergab sich, dass Radio Oberland einen Hinweis über diese einwöchige groß angelegte Militärübung des Ausbildungszentrums „Spezielle Operationen“ aus dem baden-württembergischen Pfullendorf auf der Homepage eingestellt hatte, ebenso war auf der Homepage der Marktgemeinde Murnau ein Hinweis vermerkt. Neben Uffing waren weitere Gemeinden im nördlichen Landkreis Garmisch-Partenkirchen betroffen. Diese Informationen hatten jedoch die wenigsten mitbekommen. Es wäre zu diskutieren, wie die Kommunikationswege in Zukunft verbessert werden können. Für Häuser, die in unmittelbarer Nähe zu einer Militärübung liegen, wäre ein Informationsschreiben in die Hausbriefkästen wichtig. Diese Öffentlichkeits-
arbeit müsste der Verantwortung der Pressestelle der Bundeswehr obliegen. Es wäre zu überlegen, welche angemesseneren, wohnortfernen Trainingsgebiete für eine Militärübung verfügbar sind.
Wünschenswert wäre außerdem eine Information darüber, warum solche für Mensch und auch Tier angsterzeugenden Militäroperationen nicht auf verschiedenen Truppenübungsplätzen stattfinden können.
Nach dem ersten Schrecken verbleibt die Frage: Wie mag es wohl Menschen ergehen, die überraschenderweise mit solch einem nicht einzuordnenden Szenario konfrontiert werden, die ähnlich wie meine Patientinnen und Patienten unter Angststörung oder Traumafolgestörung leiden oder eine Fluchtgeschichte aus Krieg und Verfolgung in sich tragen?
Wenig vertrauenserweckend im Nachgang sind frühere Berichte über die Bundeswehr-Kaserne in Pfullendorf, in der das Ausbildungszentrum „Spezielle Operationen“ stationiert ist. Nach einer kurzen Internet-Recherche finden sich z. B. in der „Zeit“, der „Süddeutschen Zeitung“ und im „Spiegel“ skandalträchtige Vorwürfe zu demütigenden Ritualen, sexueller Nötigung und Gewaltmärschen, bei denen Ausbilder Rekruten bis zum Zusammenbruch gedrillt haben sollen.
Ein weiterer beunruhigender Nachgeschmack bleibt: Auf der Homepage des Marktes Murnau war zu lesen, dass Signalpistolen und Übungshandgranaten zum Einsatz kommen. Man solle sich vom Übungsbereich fernhalten. Sollten liegen gebliebene Übungsgegenstände oder Sprengmittel gefunden werden, solle man die Polizei informieren. Die Wiese und der Waldrand, wo die Übung stattfand, sind ein bei den kleinen Kindern der Nachbarschaft beliebter Ort zum Spielen.
Christina Igelmund
(veröffentlicht in Hoagart 18 | Januar 2026, siehe unten, Seite 12)
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