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Mo, Jan 19, 2026
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Kindergarten Schöffau

Kindergarten Schöffau

Kindergarten Schöffau

Information
Bürger | veröffentlicht am: 06 Juli 2025 | bearbeitet am: 06 Juli 2025

„Gerade als die Raupe dachte, die Welt sei vorbei, wurde sie zum Schmetterling.“ (Chuang Tzu)

Es ist schon immer wieder erstaunlich, wie wundervoll ein Blick in die Welt der Tiere und Natur sein kann. Was wir alles sehen können, wenn wir innehalten und versuchen, ein bisschen mehr von der Welt zu verstehen, in der wir leben. 

Der Kindergarten Schöffau wagt diesen einzigartigen Blick hinter die Kulissen.

Klar weiß ein jeder schon, dass eine Raupe auch irgendwann einmal ein Schmetterling wird. Spätestens die Raupe Nimmersatt hat uns das erklärt. Aber wie so etwas in „freier Wildbahn“ aussieht, scheint uns die Natur ein wenig verbergen zu wollen.

Also ran an die Lupen, Bücher und Geschichten!

Zu unserem Glück trifft am 30. April 2025 im Kindergarten ein spannendes Päckchen ein. Nach dem Öffnen fällt uns ein eckiges Netzgehege und ein seltsamer geschlossener Becher in die Hände. Was da wohl drinnen sein mag? Bewegt sich da etwas? Tatsächlich!

Auf dem Boden des Bechers klebt eine gelbe honigartige Masse und darauf, kaum zu erkennen, winzige Raupen. Man kann sogar die kleinen bläulich-grünlichen Eier erkennen, aus denen sie kürzlich geschlüpft sein müssen.

Es ist also amtlich. Die Fuchsgruppe sowie die Hasengruppe machen Platz für die neuen Mitbewohner des Hauses. Jetzt kann das Projekt „Schmetterling“ angemessen starten.

Schnell tauchen die ersten Fragen auf. Was ist diese gelbliche Masse am Boden? Wir forschen nach und stellen fest, dass das nur das Futter sein kann, dass die etwa sieben Raupen pro Becher brauchen, um groß und stark genug werden zu können. Tag für Tag sehen wir begeistert zu, wie die gelbe Masse immer weniger wird und die Raupen dafür immer größer. Man kann jetzt endlich die vielen kleinen Füße und das Köpfchen sehen. Sie scheinen sogar viele kleine Stacheln am Rücken zu haben.

Für die nächsten zweieinhalb Wochen versammeln sich unsere kleinen Forscher oft selbstständig um den Raupenbecher und beschreiben das Gesehene. „Können wir ihnen Namen geben?“, wurde ebenso untereinander ausgemacht.
Am Montagmorgen, den 19. Mai, scheint aber irgendetwas anders zu sein.
„Sie hängen am Deckel!“, schreit eines der Kinder. „Ich glaube, jetzt kommt der Kokon!“ Zu unserem Erstaunen hängen tatsächlich die ersten Raupen kopfüber am Papiertuch, dass zwischen Deckel und Becher eingeklemmt ist.
Im Morgenkreis erfahren wir dann auch die ersten Dinge über die Verpuppung und sehen uns Bilder dazu an.

„Weiß die Raupe eigentlich, dass sie bald ein Schmetterling ist?“, fragt mich ein Kind. Das ist wohl eine Frage für die Philosophen …

Als der Kokon zwei Tage später getrocknet und stabil genug ist, heißt es Umziehen. Wir öffnen den Becher, nehmen vorsichtig das Papiertuch in die Hand und befestigen es behutsam auf der Innenseite des Netzgeheges. Wir halten die Luft an. Keiner soll herunterfallen.

Jetzt heißt es wieder warten. Warten bis endlich der Zauber passiert!

Am Freitagmorgen, den 30. Mai, verbreitet sich aber eine Nachricht wie ein Lauffeuer im ganzen Haus:

„DER SCHMETTERLING IST GESCHLÜPFT!“

Unglaublich! Jedes Kind versucht einen guten Blick auf unseren neuen Mitbewohner zu erhaschen. Dieser scheint noch ganz geschafft zu sein und ruht entspannt am Netz. Was die Kinder und Erwachsenen sofort erschrocken feststellen, ist, dass der Distelfalter scheinbar etwas Blut verloren hat. Am Boden unter dem Falter ist ein roter Fleck.
Später wird uns klar, dass das rote Sekret nach dem Schlüpfen ganz normal ist und es dem Schmetterling gut geht.

In Form eines gezielten Angebotes schneiden wir ein paar Stücke aus unserer Wassermelone, legen sie in ein Schälchen und stellen es behutsam ins Gehege. Das soll für den frisch geschlüpften Neuling der perfekte Vitaminschub sein.

Diese frisch geschnittenen Stücke scheint aber vermutlich noch jemand gerochen zu haben, denn plötzlich kommt der zweite Schmetterling langsam aus seinem Häuschen gekrochen und wir sind live dabei! Was für ein Erlebnis!

Die nächsten Tage werden zeigen, ob aus dem Pärchen noch eine ganze Familienschar wird. Wir werden weiter warten … warten bis zu dem Tag, an dem wir uns verabschieden und unseren Freunden auf ihrem Jungfernflug alles Gute wünschen!

Vielen Dank, dass du uns all dies gezeigt hast, lieber bunter Schmetterling!

Christoph Morel
Kindergarten Schöffau

(veröffentlicht in Hoagart 16 | Juli 2025, siehe unten, Seite 24)

 

Juli 2025

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