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Josef Diepold – Ein Leben für Heimat und Zusammenhalt

Josef Diepold – Ein Leben für Heimat und Zusammenhalt

Josef Diepold – Ein Leben für Heimat und Zusammenhalt

Information
Bürger | veröffentlicht am: 27 Juni 2026 | bearbeitet am: 27 Juni 2026

Ich wurde am 1. November 1948 in Uffing in dem kleinen Haus An der Ach 3 geboren. Dort lebten meine Eltern Josef und Hildegard und meine Großeltern unter einem Dach. 

Mein Großvater Jakob Diepold starb früh, deshalb habe ich kaum Erinnerungen an ihn. An meine Oma Regina dagegen sehr viele. Wir wohnten oben, sie unten, und ich war oft bei ihr. Mein Vater und mein Großvater waren Sattler und fertigten Pferde- und Ochsengeschirre an. Später arbeitete mein Vater zeitweise drei Tage in einer Werkstatt in Garmisch und drei Tage in Uffing. Etwa 1962 wechselte er zur Firma Poschinger nach Murnau/Riegsee. Heute lebt unser Sohn Alexander mit seiner Familie „im Häusl“, was uns sehr freut.

Meine Kindheit spielte sich fast vollständig in Uffing ab. Mit Franz Huber, meinem Jahrgang, ging ich in die Schule und später auch in erster Reihe gemeinsam zur Erstkommunion. Wir saßen oft nebeneinander in der ersten Bank und waren beide gute Schüler. Besonders erinnere ich mich an unsere Lehrerin Maria Schumann. Sie redete meinen Eltern eindringlich zu, mich auf die Oberschule, heute Gymnasium, zu schicken. Das war damals keine Selbstverständlichkeit, denn Bücher, Fahrkarten und vieles andere mussten selbst bezahlt werden. Meine Eltern zögerten aus finanziellen Gründen, aber Frau Schumann überzeugte sie schließlich.

So kam ich 1958 an die damalige Oberrealschule in Murnau. Der Schulbetrieb war klein, man kannte sich. Später wechselte ich mit vielen Mitschülern ans Gymnasium nach Garmisch. Damals fuhr man ausschließlich mit dem Zug. Auf diesen Fahrten lernte man Mitschüler aus der ganzen Gegend kennen. Ich interessierte mich besonders für Geografie und war sehr gut Englisch und dachte damals daran, Lehrer fürs Gymnasium zu werden.

Nach dem Abitur kam jedoch zunächst die Bundeswehr. Ich wurde für die Fernmeldetruppe gemustert und war froh, wenigstens in der Nähe, in Murnau, eingesetzt zu werden. Dort entstanden Freundschaften, die bis heute halten.

Während meiner Bundeswehrzeit kam ich auf die Idee, Betriebswirtschaft zu studieren. Das Lehramt hätte eine lange Ausbildung mit später wechselnden Einsatzorten bedeutet. Betriebswirtschaft erschien mir praktischer und interessant. Also studierte ich BWL, unter anderem mit Teilfach Steuerrecht, und hätte mir gut vorstellen können, später in einer Steuerkanzlei anzufangen.

Im Jahr 1972 lernte ich meine spätere Frau Jutta, geborene Obermeier, kennen. Eigentlich kannte man sich in Uffing ohnehin irgendwie vom Sehen oder über den Fußball. Jutta schnitt damals vielen Spielern die Haare. Eines Tages fragte ich sie, ob sie mir auch die Haare schneiden könne – natürlich nicht nur wegen der Haare. Kurz darauf gingen wir gemeinsam aus, fuhren nach Garmisch tanzen, und daraus wurde mehr. 1976 heirateten wir in Uffing. Wir waren im Gasthof zur Post die ersten Hochzeitsgäste von Manfred Kindsmüller. Wir zogen ein bei Resch in der Kirchstraße und wohnten in der Dachgeschosswohnung.

Während meines Studiums entdeckten wir gemeinsam unsere Begeisterung für Reisen. Besonders Skandinavien faszinierte mich. Schon 1971 war ich mit einem Freund bis ans Nordkap gefahren. 1975 machten meine Frau und ich gemeinsam dieselbe Reise, auf zum Schluss leicht veränderter Route – mit Zelt, Konserven und einem umgebauten Renault R 4, in dem wir schlafen konnten. Viereinhalb Wochen waren wir unterwegs. Diese Reise gehört bis heute zu unseren schönsten Erinnerungen.

Eigentlich wollte ich nach dem Studium in einer Steuerkanzlei anfangen. Doch direkt nach unserer Rückkehr aus Skandinavien lag ein Brief vom Arbeitsamt im Briefkasten. Die private Wirtschaftsschule in Peißenberg suchte einen Lehrer für kaufmännische Fächer. Ich hatte vielen Schülern Nachhilfe gegeben und gemerkt, dass mir Unterrichten Freude machte. Also bewarb ich mich.

Im Jahr 1975 begann ich als Lehrer an dieser Wirtschaftsschule. Das Unterrichten lag mir offenbar. Ich hatte, wohl auch dank einer natürlichen Autorität, selten Schwierigkeiten mit Schülern und es reichte mir, wenn sie am Ende sagen würden: „So schlimm war er gar nicht.“ Später wurde ich Schulleiter. Dafür musste ich zusätzliche pädagogische Qualifikationen nachweisen und mehrere Unterrichtsbesuche durch die Schulbehörde bestehen. Das gelang mir, und ich blieb viele Jahre an der Schule.

Die Wirtschaftsschule, an der noch heute unterrichtet wird, hatte damals über hundert Schüler aus dem ganzen Oberland. Später gingen die Schülerzahlen zurück – wohl auch wegen sinkender Geburtenzahlen und weil viele Eltern das Schulgeld und die Fahrtkosten scheuten. Trotzdem war die Arbeit dort für mich eine wichtige und schöne Zeit.

Parallel dazu spielte Fußball in meinem Leben immer eine große Rolle. Der SV Uffing war praktisch mein zweites Zuhause. In meiner Jugendzeit gab es zunächst kaum organisierte Jugendmannschaften. Aber engagierte Leute bauten als Trainer und Organisatoren ab den frühen sechziger Jahren nach und nach den Jugendbereich auf, und wir waren mit Begeisterung dabei. Anfangs verloren wir haushoch, hatten aber Spaß und hielten zusammen. Später wurde ich selbst Trainer – erst im Jugendbereich, dann bei den Herrenmannschaften. Insgesamt war ich dreizehn Jahre Trainer im SV Uffing. Damals bedeutete Vereinsleben noch echte Gemeinschaftsarbeit. Wir richteten Fußballplätze her, bauten Tore, organisierten Feste und halfen überall mit. Ohne Arbeitsdienst hätte es den Verein damals nicht gegeben. Heute ist vieles anders. Aber manchmal fehlt mir dieses alte Gemeinschaftsgefühl.

Neben Fußball war ich bei der Wasserwacht, spielte Tischtennis und machte Musik. Über die Pfadfinder kam ich zum Gitarrespielen. Mitte der sechziger Jahre nahm mich Gottfried Heldwein in eine Vier-Mann-Band auf, die Teddys. Wir spielten bei Tanzveranstaltungen in Uffing und Umgebung, vor allem aktuelle Schlagermusik der Sechziger. Im Sommer spielten wir im Gasthof zur Post im Saal an jedem Wochenende von Anfang Juli bis Ende August. Der Chef Hans Bärtl verlangte bis 22.00 Uhr „moderate“ Musik, ab dann durfte losgelegt werden mit aktuellen englischen und deutschen Hits. Noch heute greife ich gelegentlich zur Gitarre und habe früher für Familienfeiern oft eigene Liedtexte geschrieben.

Im Jahr 1979 wurde unsere Tochter Michaela geboren, 1981 unser Sohn Alexander. Unter großer Mithilfe von Freunden und Familie bauten wir gemeinsam unser Haus. Mein Schwiegervater Franz Obermeier plante und installierte als gelernter Elektriker die gesamte Elektrik. Wir fühlten uns hier in Uffing immer wohl.

Mein politisches Engagement begann 1984. Ich wurde im Herbst 1983 gefragt, ob ich für den Gemeinderat kandidieren wolle. Beworben hatte ich mich nie aktiv, aber ich fühlte mich geehrt und sagte zu. So wurde ich Gemeinderat und später, 1996, Zweiter Bürgermeister von Uffing. Mir war immer wichtig, offen und ehrlich mit den Bürgermeistern und anderen zusammenzuarbeiten. Wenn ich anderer Meinung war, sagte ich das direkt, aber nie hintenherum. Dieses gegenseitige Vertrauen funktionierte über Jahrzehnte hinweg gut.

Beruflich kam Anfang der neunziger Jahre eine große Veränderung. Die Wohnbau GmbH Weilheim i. OB suchte einen Geschäftsführer. Ein Gemeinderatskollege meinte damals zu mir: „Das wäre doch was für dich.“ Ich bewarb mich, überzeugte und bekam die Stelle – obwohl man bei der Besetzung dort ursprünglich weniger mit einem Lehrer gerechnet hatte.

Von der Wirtschaftsschule wechselte ich damit in die Wohnungsverwaltung. Wir betreuten rund 1500 Sozialwohnungen. Natürlich musste ich mich in viele neue Themen einarbeiten, in Gesetze, Bauvorschriften und Verwaltung. Aber ich war das Lernen gewohnt. Bis zu meiner Rente 2013 blieb ich Geschäftsführer in Weilheim.

1987 kam jedoch ein schwerer Einschnitt. Beim Fußballspielen merkte ich plötzlich, dass ich kaum noch Luft bekam und ich litt unter starkem Nachtschweiß. Kurz darauf erhielt ich die Diagnose Morbus Hodgkin, eine Krebserkrankung des Lymphsystems. Es folgten Chemotherapie und Bestrahlungen in München. Die Behandlungen waren hart, aber ich arbeitete trotzdem weiter, weil ich meine Schüler nicht im Stich lassen wollte. Glücklicherweise verliefen die vielen Nachuntersuchungen später immer positiv.

Noch schwerer traf uns allerdings das Schicksal unserer Tochter Michaela. 2010 wurde bei ihr Gebärmutterkrebs festgestellt. Vier Jahre lang kämpfte sie mit unglaublicher Stärke gegen die Krankheit. Oft machte sie eher uns Mut als wir ihr. Am 6. November 2014 starb sie. Das war wohl die schwerste Zeit unseres Lebens.

Wir haben gelernt, mit der Erinnerung zu leben. Wir reden viel über sie, lachen über gemeinsame Erlebnisse und erzählen ihr manchmal noch heute von unserem Alltag. Jeder Mensch geht anders mit Trauer um, aber uns hat dieses gemeinsame Erinnern geholfen.

Heute leben meine Frau und ich ruhiger. Nach 42 Jahren endete dieses Jahr Ende April meine Mitarbeit im Gemeinderat und damit verbundenen Aufgaben. Jutta betreibt mit viel Engagement eine Ferienwohnung in den ehemaligen Kinderzimmern in unserem Haus, und ich helfe ihr ein wenig im Hintergrund. 2024 wurde unsere Enkelin Leonie geboren – eine riesige Freude für uns beide. Natürlich hoffen wir, sie möglichst lange aufwachsen zu sehen.

Große Ziele oder Visionen habe ich heute keine mehr. Ich glaube auch nicht, dass man das Leben vollkommen planen kann. Manche leben gesund und sterben früh, andere rauchen ihr Leben lang und werden hundert. Vieles hat man nicht in der Hand.

Ich habe mir fest vorgenommen, mich in aktuelle Entscheidungen des jetzigen Gemeinderates nicht einzumischen und auch möglichst keine „altklugen“ Kommentare abzugeben. Ich will mich raushalten.

Ich bin dankbar, dass mein Leben insgesamt gut verlaufen ist – trotz aller schweren Zeiten. Familie, Freunde, Fußball, Musik, Schule, Gemeinderat und meine Heimat Uffing haben mich geprägt. Und ich hoffe einfach, dass es noch eine Weile so weitergeht.

Sascha Chowdhury, nach einem Gespräch mit Josef Diepold am 19. Mai 2026

(veröffentlicht in Hoagart 20 | Juli 2026, siehe unten, Seite 14)

 

Juli 2026

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