Zum Gedenken
Unter großer Anteilnahme hat die Gemeinde Uffing Abschied von Erich Schweiger genommen, einem verdienten und beliebten Mitbürger, der im Alter von 86 Jahren verstorben ist.
1940 in Uffing geboren, hat es der kleine Erich in seiner Kindheit nicht leicht. Der 24 Jahre ältere Halbbruder Heinrich fällt im Zweiten Weltkrieg, der Vater ist seit dem Ersten Weltkrieg beinamputiert, die Mutter rheumakrank – sie stirbt, als Erich erst sieben Jahre alt ist. Zum Glück findet der Bub in einer verwandten Familie ein zweites Zuhause, bekommt dort Halt und Geborgenheit, und auch zum zwölf Jahre älteren Bruder Franz hat Erich ein enges Verhältnis. Als Heranwachsender entdeckt er die Liebe fürs Radfahren, zahlreiche Touren führen ihn quer durch Deutschland und auch über die Alpen bis nach Rom. Zudem engagiert sich der Jugendliche bei der Wasserwacht als Bootsführer, sorgt dort auch für die Instandsetzung des Bootes.
Schließlich ist Erich, seit er 14 Jahre alt ist, ein interessierter, begabter, handwerklich sehr geschickter Mechanikerlehrling bei der Firma Heidolf in der Uffinger Vogelmühle. „Als ihn seine Firma in eine Niederlassung in die Schweiz schicken wollte, war ihm das zu nah am Heimatort. Er hat eine Anzeige entdeckt, dass Fachkräfte für Australien gesucht werden, die Überfahrt 200 Mark kostet, und hat sich mit 18 Jahren und ohne Sprachkenntnisse zu diesem Schritt entschlossen – die Überfahrt mit dem Auswandererschiff ab Bremerhaven hat sechs Wochen gedauert und er hat sogar sein Fahrrad mitgenommen“, erzählt Schweigers Witwe Christl.
Erich findet unter den neuen Arbeitskollegen schnell Freunde, zu denen er ein Leben lang Kontakt hält, arbeitet viel, sammelt Berufserfahrung in einer Automatendreherei, spart und leistet sich bald ein kleines Auto. Damit gehts etwa zur Känguru-Jagd ins Outback, davon zeugen viele Fotos aus jener Zeit. 1961 kehrt der junge Abenteurer nach zweieinhalb Jahren nach Uffing zurück, wie er es dem Vater versprochen hat - mit 10.000 Mark Ersparnissen in der Tasche. Damit gründet Erich Schweiger 1962 eine Dreherei in seinem Geburtshaus nahe des Uffinger Maibaums in der Werkstatt seines Bruders, kauft seine erste eigene Drehbank, arbeitet für viele Firmen, darunter auch Flugzeug-Hersteller Dornier. Er stellt 1967 den ersten Mitarbeiter, bald seinen ersten Lehrling ein – am Ende werden es über 100 sein, die der Mechanikermeister ausbildet und die dem sozial eingestellten Chef stets am Herzen liegen.
„Leicht ist ihm der Abschied von Australien nicht gefallen, ein Teil seines Herzens ist dortgeblieben und er ist bestimmt zehnmal hingereist, mit mir, den Kindern, Enkeln und Freunden“, erinnert sich Christl Schweiger, eine Partenkirchnerin, die Erich 1968 in der Kirche St. Anton heiratet, mit der er fünf Kinder bekommt. Endlich hat er die große Familie, die er immer vermisst hat (neun Enkelkinder und drei Urenkel kommen im Lauf der Jahre hinzu), ist stets ein fürsorglicher und liebevoller Vater, Opa und Uropa.
1969 errichtet der zielstrebige junge Mann mit viel Fleiß ein eigenes Firmengebäude an der Bahnhofsstraße, zwei Jahre später kann die Familie ins nebenan gebaute Haus einziehen. Rasch wächst der Betrieb, dreimal wird angebaut, die Firma investiert kräftig und zieht schließlich in eine neuerrichtete Gewerbehalle an der Uffinger Rigistraße – mittlerweile ist Sohn Anton Mitinhaber. Durch die Corona-Pandemie und damit verbundene Probleme im Automobil-Sektor gerät der Familienbetrieb in finanzielle Turbulenzen, doch der Einstieg einer österreichischen Holding 2022 rettet das Unternehmen, die rund 60 Arbeitsplätze des Formen- und Anlagenbaus bleiben erhalten, die Produktion läuft weiter. Belastende Zeiten für den Firmengründer, für den das Leben durch Rheuma und andere Krankheiten ohnehin immer beschwerlicher wird.
„Mein Mann war früher Mitglied bei der Schützengesellschaft, beim Trachten-, Sport- und Arbeiterverein, ab 1971 Mitglied der Kirchenverwaltung, von 1977 bis 2008 Kirchenpfleger, was ihm sehr wichtig war, von 1972 bis 1990 im Uffinger Gemeinderat und viele Jahre Wasserwart – er war immer interessiert und bestens informiert, auch wenn er zuletzt nicht mehr aktiv am Dorfleben teilnehmen konnte“, bilanziert Christl Schweiger. Die drei im Nachbarhaus wohnenden Urenkel seien die große Freude seines Alters gewesen.
Nach Angaben der Familie wollte Erich Schweiger 100 Jahre alt werden, doch ihn verließen die Kräfte, er starb nach zwei Tagen Krankenhaus an einer Lungenentzündung. Sein größter Wunsch, eine Abschiedsreise nach Australien, erfüllte sich leider nicht mehr – umso mehr hätte es ihn gefreut, dass die Familie am Grab das australische Volkslied „Waltzing Matilda“ mit viel Liebe für ihn erklingen ließ.
Barbara Jungwirth
(veröffentlicht in Hoagart 21 | Oktober 2026, siehe unten, Seite 24)
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