Im „Hoagart“, Ausgabe 14, ist das Gefrieren auf dem Staffelsee beschrieben.
Unter den klimatischen Bedingungen am Staffelsee balancierte eine Eisdecke schon immer auf einem witterungsabhängigen Grat zwischen Bildung und Auflösung: Kalter kontinentaler Luft bei klarem Himmel, milder maritimer Luft mit Niederschlag. Hinzu kommt die von Weihnachten zunehmende solare Strahlung.
Flüssige Wasserhaut auf Eis
Das Bild oben zeigt eine dicht mit Reif bedeckte Eisdecke, aufgenommen vom Furtzipfel gegen die Insel Mühlwörth. Personen auf dem Eis zeigen, dass es trägt. Im Vordergrund der Schatten einer Baumkrone, zugleich Spuren flüssigen Wassers. Selbst im Januar kann am Eis absorbierte Sonnenstrahlung mittags Reif schmelzen. Auch unterhalb 0 °C bleibt Eis noch von flüssigem Wasser überzogen.
Senken und Höhen der Eisdecke
Das kleine Bild rechts oben zeigt stehendes Wasser auf der Eisdecke. Es könnte von Regen herrühren. Möglich ist aber auch Schnee, dessen Gewicht den Auftrieb der Eisdecke übertraf. Überwasser kann erklären, warum die Schneetiefe auf einer Eisdecke fehlt oder gering ist, verglichen mit Schnee auf Land.
Am Wasser über dem Eis lassen sich schwach ausgeprägte Höhen und Senken der Oberfläche erkennen. Diese lassen auf Unterschiede in der Eisstärke schließen, da der Auftrieb des Eises im Verhältnis zum flüssigen Wasser ein Zehntel seiner Mächtigkeit ausmacht.
Eisfreies Ufer
Im Eis absorbierte Sonnenstrahlung, Taufall auf dem Eis und Lufttemperaturen über dem Gefrierpunkt schmelzen eine Eisdecke von ihrer Unter- und Oberseite her auf. Das Eis zerfällt unter Umkristallisierung in vertikal stehende stabförmige Kristalle. Nur mehr lose adhäsiv zusammengehalten, können diese kaum Kräfte aufnehmen.
Der See gefriert zuerst über der seichten Uferzone. Dort auch taut das Eis zuerst auf. Sonnenstrahlung, welche am Seeboden absorbiert wird, hält den seichten Wasserkörper unter dem Eis bei Zufuhr von Schmelzwasser auf 0 °C.
Eispressung
Das kleine Bild unten zeigt Eisschollen, aufgetürmt durch Schub gegen Land. Die horizontale Komponente von Wind erteilt über die Reibung dem Eis eine Schubspannung. Das Aufbrechen zu Schollen setzt eine Festigkeit der Eisdecke voraus. (Maßstab des Handschuhs ca. 20 cm). Bei schon in lose Kristalle aufgeschmolzenem Eis türmt Wind Wälle aus Kristallen von Eis an Ufern gegen den Wind auf.
Reinhard Mook
(veröffentlicht in Hoagart 15 | April 2025, siehe unten, Seite 49)
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