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Dorfwelten - Die neue Dauerausstellung des Heimatmuseums Uffing

Dorfwelten - Die neue Dauerausstellung des Heimatmuseums Uffing

Dorfwelten - Die neue Dauerausstellung des Heimatmuseums Uffing

Information
Bürger | veröffentlicht am: 29 März 2026 | bearbeitet am: 29 März 2026

Mit den ersten warmen Frühlingssonnenstrahlen erwacht in Uffing eine echte „Schatzkammer“ zu neuem Leben. Bis dahin wird im alten Feuerwehrgerätehaus zwar noch fleißig gebohrt, gehämmert und gesägt, recherchiert, durchsucht, kopiert und geschrieben. 

Aber schon am 19. April, beim großen Museumsfest, öffnen sich die Türen zum Heimatmuseum – und damit auch zur neuen DORFWELTEN-Dauerausstellung. Auf zwei Stockwerken werden die Gäste Wissenswertes zu Geographie, Flora und Fauna der Region sowie Informationen von der ersten Besiedlung Uffings bis zum modernen Leben am Staffelsee finden.

Die Museumsleiter Chiara Nassauer-Boitsos und Nikolaos Boitsos haben sich beim Konzept für die neu gestaltete Dauerausstellung von zwei Fragen leiten lassen: Was ist eigentlich ein „Dorf“? Und was macht das Leben in einem Dorf aus? Simple Antworten auf diese beiden Fragen findet man nicht so schnell – dafür umso spannendere, meint Chiara Nassauer-Boitsos: „Die Fragestellung zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellungsräume im Erdgeschoss und 1. Stock. Wir wollen unseren Besuchern näherbringen, wie die Menschen auf dem Dorf früher lebten und arbeiteten. Wie prägten Kirche und Schule, Vereine und Brauchtum das Dorfleben? Und welche Herausforderungen hielt und hält das Leben auf dem Land immer noch bereit?“

Die Gemeinde Uffing kann inzwischen auf eine bewegte Geschichte von stolzen 7.000 Jahren zurückblicken. Im Jahr 739 wurde das Dorf zwar zum ersten Mal urkundlich erwähnt – aber schon lange, bevor ein gewisser Uffo sich mit seiner Sippe am Staffelsee niederließ, siedelten hier Menschen. Das beweist unter anderem der Sensationsfund eines Bohlenwegs aus der Jungsteinzeit, der sich früher am Antlasgraben befand und erst im Jahr 2024 näher untersucht wurde (siehe Hoagart 16, Juli 2025, Seite 8, „Sensation zur Besiedelungsgeschichte Uffings“).

Römer, Räter und Bajuwaren, Bauern und Mühlenbesitzer des Mittelalters, Bader, Pfarrer und Wirte, „Kraxentrager“ und Händler des 19. Jahrhunderts, aber auch Wallfahrer, „Sommerfrischler“, Berufspendler und Vertriebene – sie alle haben diesen Ort geprägt. Ihre Geschichten werden nun in den Räumen des Museums anhand von sorgfältig ausgewählten Objekten mit vielen Hintergrundinformationen auf Texttafeln und mit umfangreichem Bildmaterial erzählt. Auch geführte Rundgänge durch die Ausstellung, Themenführungen für verschiedene Altersgruppen, Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene, Audio- und Filmangebote sowie Mitmach-Stationen für Groß und Klein laden zum Entdecken ein. Nikolaos Boitsos betont: „Wir hatten durch die unermüdliche Sammelarbeit von Franz Huber eine große Schatzkiste an Museumsobjekten und Archivmaterial zur Verfügung. Nun versuchen wir, mit unserer Auswahl aus dieser Fülle Vergangenheit und Zukunft des Museums harmonisch in Einklang zu bringen. Auch unter dem Aspekt, was die Gäste heute von einem Besuch im Museum erwarten.“

Bei den Sonderausstellungen im Erdgeschoss wird es in diesem Jahr ein abwechslungs-reiches Programm mit verschiedenen Schwerpunkten zwischen Kunst und Geschichte geben. Den Anfang macht im April die Ausstellung IN FORM GETRÄUMT über das Werk des Keramikers Josef Ferdin (1902-1978). „Wir sind beim Umzug des Museumsdepots auf viele Objekte von Ferdin gestoßen – aber dagegen kaum auf Informationen über den Künstler“, erzählt Chiara Nassauer-Boitsos.

„Dann haben sich aber immer mehr Menschen bei uns gemeldet, die noch direkten Kontakt zu ihm hatten – beispielsweise die Familie Lang aus Oberammergau, in deren Töpferwerkstatt Ferdin lange Zeit tätig war. Durch ihre Erlebnisberichte hat sich das Puzzle über das Leben dieses Mannes, der viele Jahrzehnte in Uffing gelebt und gearbeitet hat, allmählich vervollständigt. Und durch ihre Objektspenden und -leihgaben können wir in der Sonderausstellung auch die ganze Bandbreite von Ferdins Schaffen zeigen: von seinen Anfängen in der berühmten Gmundner Keramikwerkstätte über seine vielen Skizzen für Aufträge in Oberammergau bis hin zu seinen wunderschönen Staffelsee-Landschaften in Öl und Kohle.“

Die darauffolgende Sonderausstellung EDISON IN ATLANTIS widmet sich der überaus widersprüchlichen Biographie des Ingenieurs und Künstlers Otto H. Muck (1892-1956). Nikolaos Boitsos führt aus: „Früher wurden Mucks Grafiken in Wiener Kunstzeitschriften veröffentlicht – später arbeitete er an der Herstellung von Kriegswaffen für die Nationalsozialisten. Auf seinem Uffinger Wohnsitz beschäftigte er Zwangsarbeiter und unterhielt enge Beziehungen zu den Betreibern des KZs auf der Halbinsel Burg – während er selbst mit einer jüdischen Frau mit gefälschten Papieren verheiratet war. Er hat über 2.000 Patente für technische Geräte hinterlassen und sich vor seinem Tod bei einem Autounfall intensiv mit dem Mythos von Atlantis beschäftigt. All das bietet natürlich viel Stoff für eine Ausstellung, die sich auch einem dunklen Kapitel der Regionalgeschichte – der Zeit des Nationalsozialismus – widmen wird.“

Im August und September geht es schließlich um das uralte Bedürfnis, seinen Namen zu hinterlassen: Die Ausstellung „ICH WAR HIER!“ widmet sich dem Thema Graffiti und Inschriften in der Kulturgeschichte des Dorfes. „Viele Leute denken bei Graffiti natürlich als erstes an die Sprayerkunst, die sich aus der Hip-Hop-Subkultur entwickelt hat und an privaten und öffentlichen Wänden oft für Ärger sorgt. Doch haben schon die steinzeitlichen Höhlenmaler „Graffiti“ an den Wänden ihrer Behausungen hinterlassen und fromme mittelalterliche Pilger ihren Namen in Heiligengrabmäler eingraviert. Und auch hier in Uffing finden wir viele Beispiele von diesem Bedürfnis, ein bleibendes Zeugnis zu hinterlassen, wie die Namensschnitzereien in den Kirchenbänken von Sankt Agatha oder in den alten Uffinger Schulbänken. Wir wollen zeigen, wie dieses Phänomen – zwischen Vandalismus und künstlerischem Ausdruck – schon immer das Dorfleben mitgeprägt hat“, erklärt Chiara Nassauer-Boitsos.

Im Herbst wird die Fotografin Beate Kosmale unter dem Titel ORTE DER ANDACHT Bilder von kleinen Kapellen und großen Gebetsstätten zeigen, deren stiller Zauber und schlichte Schönheit den Betrachter in ihren Bann ziehen. Zum Jahresende 2026 soll dann die – durch die umfangreichen Umbaumaßnahmen verschobene – Sonderausstellung WILDE JAGD UND WINTERREIF über die Weihnachts- und Raunachtszeit auf dem Dorf nachgeholt werden.

Für die Museumsleiter ist klar: „Für uns ist es ein absolutes Privileg, ein Museum leiten zu dürfen, daher wollen wir den Gästen etwas zeigen, worauf wir selbst stolz sein können. Es liegt eine große Menge Arbeit hinter und auch noch vor uns. Aber umso mehr freuen wir uns darauf, am 19. April das Museum aus dem „Winterschlaf“ zu erwecken und den Uffinger Bürgern die Geschichte ihres Ortes ganz neu präsentieren zu können.“

Chiara Nassauer-Boitsos und Nikolaos Boitsos, Leitung Heimatmuseum Uffing

(veröffentlicht in Hoagart 19 | April 2026, siehe unten, Seite 40)

 

April 2026

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