Der Hof wurde vor 500 Jahren (anno 1538) das erste Mal urkundlich erwähnt. Wenn man sich heute auf dem Hof bewegt und darauf achtet, wird man sich bewusst, wie lange hier schon gelebt und gewirtschaftet wird. Was haben die Vorfahren auch für Zeiten mitgemacht?
Und wenn ich heute durch den leeren alten Stall gehe, da denke ich mir: Wahnsinn, da waren hunderte von Jahren Tiere drin. Und jetzt ist er gerade leer. Aber es geht gar nicht um eine Trauer, sondern einfach um dieses Gefühl, auf welcher Substanz und mit welchem Fundament man da Geschichte fortführt.
Ich bin Michael Schmid, genannt Gruber Michi, 1978 geboren. Nach der Hauptschule in Murnau habe ich die landwirtschaftliche Ausbildung gemacht. Als Ältester von vier Geschwistern war klar, dass ich den Hof meiner Eltern übernehmen werde. Ich habe auch andere Pläne gehabt. Aber die Land- und Forstwirtschaft ist schon meine Leidenschaft.
Im Jahr 1999 habe ich meine Regina auf einem Ball kennengelernt. Es hat einfach gepasst. 2001 ist dann schon unser Sohn Hannes auf die Welt gekommen, was eine Riesenfreude war. 2002 haben wir geheiratet. 2003 wurde dann Flori geboren. Regina ist Bänkerin und hat damals nebenzu mit großer Hingabe zwei Tage in der Kreissparkasse Garmisch gearbeitet. Zudem haben Regina und ich im landwirtschaftlichen Betrieb meiner Eltern gearbeitet. Meine Eltern Michael und Elisabeth leben noch heute auf dem Hof.
Ich bin Regina, ebenfalls 1978 geboren und aufgewachsen in Königsdorf.
Die ersten 15 Jahre haben wir als Jungfamilie zu viert im Zuhaus gewohnt und jeder ist außerhalb des Hofs weiter seinem Gewerbe nachgegangen. 2016 wurde der Betrieb an Michi übergeben. Das war dann eine echte Zeitenwende. Zeitgleich ist unser dritter Sohn Luis auf die Welt gekommen. Der Lebensmittelpunkt unserer ganzen Familie war ab da die eigene Landwirtschaft am Hof. Und auch Luis war ein neuer Mittelpunkt für unsere Familie. Und das ist er bis heute – wenn wo Not am Mann ist, ist er der Erste, der parat steht.
Und mit der Geburt von ihm war aber dann klar, dass ich erst mal daheimbleibe, da mit der Hofübergabe auch die Renovierung des Bauernhauses anstand. Michis Bruder Hardi, der Schreinermeister ist, hat sich da mit all seiner Kreativität und künstlerischem Verstand eingebracht. Das Haus konnte so charakteristisch erhalten, und so wie es ursprünglich war, wieder hergestellt werden. Das war für die ganze Familie immens viel Arbeit.
Ich habe da auf dem Hof viel lernen dürfen, in jeder Hinsicht. Und der Umbau des Hauses hat viele Jahre gedauert. Ich wollte dann tatsächlich auch tagsüber nicht von der Familie mehr weg, obwohl das alles hier viel Arbeit und eine echte Herausforderung war. Insbesondere der alte Stall mit 40 Kühen.
Es war klar, dass der Hannes als Ältester natürlich das Recht hat, den Hof zu übernehmen. Er ist gern auf dem Hof aufgewachsen. Aber die Leidenschaft mit den Tieren ist einfach nie seins gewesen. Und so er hat er sich schon immer nach etwas anderem gesehnt. Hannes entdeckte die Musik als seine wahre Berufung. Schon von klein auf war ihm die Bühne vertraut – und er liebte sie. Seit seinem sechsten Lebensjahr stand er gemeinsam mit seinem Bruder Flori bei zahlreichen Veranstaltungen auf der Bühne. Als „die zwei Gruaber Buam“ begeisterten sie ihr Publikum und sammelten früh wertvolle Bühnenerfahrung.
Bei uns war es schon immer so, dass Flori wahnsinnig auf die Viecher fixiert war. Und Flori wollte immer gern Landwirt werden. Was so dann auch passiert ist. Und damit hat sich für uns als Familie das Thema Hofnachfolge im Wohlgefallen aufgelöst.
Es war uns wichtig, dass es für jeden auch nachhaltig passt.
Bis vor Kurzem wurde im alten Stall noch ganz im Sinne vergangener Zeiten gearbeitet. Wir haben gewusst, wir übernehmen die Verantwortung für den Hof und wir müssen was machen. Wir hätten das zu zweit aber nicht gestemmt. Das muss man ehrlich sagen. Und da hat es einfach die Zeit gebraucht, bis der Flori so präsent war. Da Flori auch auf verschiedenen Höfen war und sich dort aktuelles Fachwissen eingeholt hat, wie die Robotertechnik läuft et cetera, war dann ein gutes Fundament vorhanden. Ebenso auch das Vertrauen in ihn, dass er einfach ein Landwirt mit Leib und Seele ist. Das alles hat uns dann dazu veranlasst, dass wir uns entschieden haben, letztes Jahr den neuen Stall zu bauen.
Der Bau des Laufstalls ist wahnsinnig gut und schnell über die Bühne gegangen. Wir haben am Bau immer gute Leute gehabt. Und alle haben hart gearbeitet.
Der neue Stall bedeutet für uns eine enorme Erleichterung. Dabei geht es nicht nur um die gewonnene Zeit, sondern vor allem um die Arbeit selbst, die spürbar angenehmer geworden ist. Mensch und Tier profitieren gleichermaßen – und genau das macht ihn Tag für Tag zu einem echten Gewinn für alle.
Die Zahlen sind ein Wahnsinn, was man da für einen Laufstall in die Hand nehmen muss. Aber diese Konstellation, ein gut funktionierender Familienbetrieb, wo alle mitarbeiten, wo man jeden braucht, sogar Luis (9 Jahre) schon mit sämtlichen Fahrtätigkeiten am Hof mithilft, macht es möglich. Opa und Oma helfen, wenn man sie braucht. Jeder kennt sich aus.
Jeder hat seinen Platz.
Ich bin Flori Schmid, der Hofnachfolger vom Gruberhof. Ich bin 2003 geboren und habe auch Landwirt gelernt. Von 2019 bis 2022 war ich in verschiedenen Lehrbetrieben, in Irschenberg und auf einem Demeter-Betrieb in Etting. Dort habe ich viel Wissen und Erfahrung mitnehmen dürfen, ob Getreidebau oder Milchviehhaltung.
Dadurch habe ich zu 95 Prozent gewusst, auf was man beim Bau eines Laufstalls aufpassen muss und was gut für Tier und Mensch ist. Und so wurde der Bau dann auch letztes Jahr umgesetzt.
Das ist für mich schon ein echter Traum. Weil ich jetzt genau mit dem arbeiten kann, wie ich es mir vorstelle.
Über Generationen hinweg ist es nicht immer leicht, sich als Jüngerer mit der eigenen Meinung durchzusetzen – umso mehr weiß ich es zu schätzen, wenn genau das möglich ist.
Nach meiner landwirtschaftlichen Ausbildung habe ich gleich den Wirtschafter noch drauf gemacht, mit anschließender Meisterarbeit, und darf dadurch auch ausbilden.
In meiner Freizeit spiele ich ebenfalls gerne Musik oder verbringe die Zeit mit meiner Freundin Romy.
Mein großes Hobby sind die Kaltblutpferde.
In der Zucht steckt so viel Liebe drin. Wochen- oder tagelang steht man in der Nacht auf und schaut, ob es schon so weit ist, dass das Fohlen kommt. Jeder von uns ist da mal dran. Aber meistens schaffen sie es dann doch allein. Das ist dann wirklich für den ganzen Hof eine Riesenfreude.
Luis ist dann stundenlang beim Fohlen, wenn er nicht in der Schule ist.
Er liebt es, bei den Pferden zu sein. Mit großer Begeisterung reitet er bereits an Leonhardi als Vorreiter in Benediktbeuern vor dem Vierergespann der Gebirgsschützenkompanie Königsdorf, das ich sowohl dort als auch in Bad Tölz fahre. Das ist ein sehr wichtiger Festtag für die ganze Familie, um den Segen für Haus und Hof fürs ganze Jahr zu holen. Auch unterm Jahr biete ich für die verschiedensten Anlässe Kutschfahrten an oder arbeite mit den Pferden im Wald.
Ich bin Hannes und 24 Jahre alt. Eigentlich wollte ich lange der Bauer, der Nachfolger auf dem Hof werden. Gerade das mit den Maschinen hat mir echt gut gefallen.
Ich war am Gymnasium und wollte dann Agraringenieur werden.
Aber, als Luis auf die Welt gekommen ist, haben wir jede Woche mindestens dreimal in den Stall gehen müssen. Der Flori und ich. Das war einfach überhaupt nicht das, was ich mir für mein Leben vorgestellt habe. Das in dem alten Stall war wirklich prähistorische Arbeit. Und das hat mir dann einfach gelangt. Damals war ich dann auch schon voll mit der Musik unterwegs. Musik war das einzige Hobby, das am Hof immer akzeptiert wurde – von klein auf.
Und nach dem Abi habe ich mich bewusst der Musik und der diatonischen Harmonika gewidmet. Von 2020 bis 2022 studierte ich an der Hochschule für Musik und Theater in München.
Im Jahr 2022 habe ich mir das erste Staffelsee-Schiffkonzert auf der MS Seehausen ausgedacht und umgesetzt. Das Konzert war schnell ausverkauft und, im Zusammenspiel mit meinen Studienkollegen, auch musikalisch ein Erfolg.
Im selben Jahr bin ich an das Mozarteum nach Salzburg gewechselt, da mir das Studium, und München als Stadt, einfach nicht mehr gefallen haben.
In der Zeit habe ich schon viele Veranstaltungen organisiert und war auch in unterschiedlichen Besetzungen, mit „Viererlei“, den „Schallmooser Buam“ oder der „Saitenstraßen Musi“, selbst auf vielen Konzerten unterwegs.
Gemeinsam mit meiner Freundin Lucia baue ich seit Kurzem die Agentur „gruaber” auf, mit der wir Workshops, Seminare und Veranstaltungen organisieren. Ein weiteres Ziel ist der eigene Notenverlag. Ich lebe schon von der Musik, die mir einfach Spaß macht – und es läuft gut.
Der Gruberhof ist jetzt ein Biobetrieb. Und wir liefern weiterhin an eine Molkerei nach Berchtesgaden, wo wir auch das Gefühl haben, dass unsere Milch geschätzt wird.
Den Familienbetrieb weiterzuführen, ist uns ganz wichtig. Nebenbei vermarkten wir unser Fleisch vom Staffelseer Weideochs und Brennholz.
Unsere Philosophie ist, mit dem, was vorhanden ist, im Kreislauf zu wirtschaften und als Familie gesund, glücklich und zufrieden am Hof leben können.
„An Gottes Segen ist alles gelegen.“
Sascha Chowdhury, nach einem Gespräch mit Familie Schmid am 20. Februar 2026
(veröffentlicht in Hoagart 19 | April 2026, siehe unten, Seite 14)
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